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13.2.2005
Sächsischer Landesbischof Bohl: Medien sollten verantwortungsbewusster mit NPD-Problematik umgehen

Blick vom Dresdener Rathausturm auf die zerstörte Stadt 1945 (Bild: AP Archiv)
Blick vom Dresdener Rathausturm auf die zerstörte Stadt 1945 (Bild: AP Archiv)
Nach Ansicht des evangelischen Landesbischofs von Sachen, Jochen Bohl, wäre es wünschenswert, wenn der angekündigte Aufmarsch der Rechten heute in Dresden nur am Rande erwähnt würde. Diejenigen, die am heutigen 60. Jahrestag der Zerstörung Dresdens im Geiste der Versöhnung auf die Vergangenheit blicken würden, seien in der Stadt die überwältigende Mehrheit, sagte Bohl im "DeutschlandRadio Berlin". Es wäre daher angebracht, wenn auch die Medien verantwortungsbewusster mit diesem sensiblen Thema umgehen würden.

Nach Meinung des evangelischen Bischofs wäre ein weiteres Scheitern eines NPD-Verbotsantrags ein Signal, das dieser Partei sozusagen die Staatstreue bescheinigen würde. Für ihn persönlich gebe es allerdings keinen Zweifel, dass die NPD den Boden der Verfassung verlassen habe.

Der Landesbischof verwies darauf, dass bei einem sehr kleinen Teil der Bevölkerung Sachsens, etwa drei bis vier Prozent, rassistische und antisemitische Stereotypien vorhanden sind. Dies sei aber in Sachsen nicht anders als im übrigen Bundesgebiet. Die Ursache dafür, dass es rund 10 Prozent NPD-Wähler gegeben habe, liege in der tiefen Verunsicherung vieler Menschen, die von den Hartz-IV-Reformen betroffen seien. Dies bedeute, dass das Phänomen des Ausschlusses von einer noch immer sehr reichen und wohlhabenden Gemeinschaft bis tief in die Gesellschaft hinein reiche. In Sachsen hätten Viele seit der Wende keine ernsthafte Chance erhalten, einen Ort für sich auf dem Arbeitsmarkt und damit in der Gesellschaft zu bekommen, sagte Bischof Bohl.
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