Interview
Interview zum Tage
Montag bis Samstag • 6:50 • 7:50
14.2.2005
Deutsche Banken stehen im internationalen Vergleich "nicht gut da"
Interview mit Holger Schmieding, Chefvolkswirt Europa der Bank of America

Wirtschaftsplatz Frankfurt am Main (Bild: AP)
Wirtschaftsplatz Frankfurt am Main (Bild: AP)
Der Chefvolkswirt Europa der Bank of America, Holger Schmieding, hat betont, dass deutsche Banken im internationalen Vergleich "nicht gut dastehen".

Sie bräuchten eine gute Stellung am Kapitalmarkt, um damit ihre Stellung zu festigen und um damit zu vermeiden, das Ziel einer feindlichen Übernahme aus dem Ausland zu werden, sagte Schmieding im DeutschlandRadio Berlin. Deshalb müssten die Untenehmen mehrere Strategien verfolgen. "Dazu gehört, dass sie überprüfen müssen, ob sie effizienter arbeiten können. Dazu gehört natürlich auch, dass sie sich auf neue Geschäftsfelder vorwagen", so der Volkswirt.

Wesentlich für Deutschland sei, dass Bedingungen herrschten, wo neue Unternehmen neue Arbeitsplätze schaffen könnten. "Daran fehlt es oft. An einem Klima, das es neuen Unternehmen leicht macht, auf den Markt zu kommen und dort zu expandieren", betonte Schmieding. Er unterstrich, dass das Bankgewerbe insgesamt weltweit ein dynamisches Gewerbe sei, wo viele neue Arbeitsplätze entstünden. Deshalb sei es wesentlich, dass im Inland Bedingungen herrschten, damit sich internationale Finanzunternehmen ansiedelten.

Für ihn bestehe die soziale Verantwortung von Unternehmen darin, dass diese alles Mögliche täten, um auf Dauer ihre Arbeitsplätze zu sichern. Schmieder wörtlich: "Kurzfristige Maßnahmen können oftmals kontraproduktiv sein, dass sie die Ertragskraft (…) schwächen können." Dies könnte dann bei einer konjunkturellen Krise das Unternehmen in den Konkurs führen. "Deshalb müssen Unternehmen, die langfristig denken, darauf achten, dass sie ihre Ertragskraft oft erhalten und unter dem Zwang des internationalen Wettbewerbs möglichst stärken."

Für Schmieding sind Unternehmensübernahmen kein "Schreckgespenst". "Man muss aber schauen, was dahinter steckt und was es bedeutet." In vielen Fällen seien Übernahmen genau das richtige, um die Substanz eines Unternehmens zu erhalten und um die Wettbewerbsposition eines Unternehmens international zu festigen. Allerdings könne das anders aussehen bei Übernahmen, wo es letztlich darum ginge, ein im Inland gescheitertes Unternehmen zu retten. Ansonsten seien Übernahmen "ein Teil des wirtschaftlichen Wettbewerbs".
-> Interview
-> weitere Beiträge