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28.2.2005
Streit um Denkmalsinschrift für ermordete Sinti und Roma
Interview mit Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats der deutschen Sinti und Roma

Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma (Bild: AP)
Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma (Bild: AP)
Der Vorsitzender des Zentralrats der deutschen Sinti und Roma, Romani Rose, hat im Streit um die Denkmalsinschrift mit einem Boykott der Einweihung des Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma gedroht.

Sollte der Bau des Denkmals ohne eine Einigung über die Inschrift begonnen werden, müsse sich Kulturstaatsministerin Weiss überlegen, mit wem sie das Denkmal einweihen wolle, betonte Rose vor dem Treffen mit der Staatsministerin und Bundesratspräsident Platzeck am Montag im DeutschlandRadio Berlin. Rose erklärte: "Die Überlebenden des Holocaust ganz bestimmt nicht."

Eine Inschrift mit dem Begriff "Zigeuner" lehnte Rose als diffamierend nochmals entschieden ab. Die Inschrift habe die Aufgabe, die Opfer zu würdigen und eine Botschaft zu vermitteln. Mit diesem Begriff sei das nicht möglich, sagte Rose: "Man möchte damit die 25 Jahre wieder zurückdrehen, bevor die Bürgerrechtsarbeit begonnen hat." Erst damals sei der Völkermord anerkannt worden und der Name Zigeuner durch die Eigenbezeichnung Sinti und Roma ersetzt worden.

Die Kritik, dass die Bezeichnung "Sinti und Roma" andere Volksgruppen ausschließe, bezeichnete Rose als "Dummheit". Er verwies darauf, dass die internationalen Organisationen nur den Begriff "Roma" verwenden: "Das umfasst alle Angehörigen unserer Minderheit." Rose verwies ebenfalls auf eine Rede des ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog, auf die sich 1500 Überlebende des Holocaust in einem Appell bezogen haben.

Für das Gespräch mit der Kulturstaatsministerin und dem Bundesratspräsidenten kündigte Rose die Aufforderung an, die Diskussion zu beenden.
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