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2.3.2005
Bischof Voß: Auch illegale Zuwanderer haben unveräußerliche Menschenrechte
Interview mit Weihbischof Josef Voß

Rumänische Migranten in einem Asylbewerberheim (Bild: AP)
Rumänische Migranten in einem Asylbewerberheim (Bild: AP)
Weihbischof Josef Voß, Vorsitzender der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz, hat pragmatische Lösungen für illegal in Deutschland lebende Ausländer gefordert.

Deutschland müsse sich verabschieden von der "Schwarzweißmalerlei: Grenzen dicht oder alle rein", sagte Voß im DeutschlandRadio Berlin anlässlich der Jahrestagung "Illegalität" der Katholischen Akademie Berlin. Illegale Zuwanderer hätten ebenso unveräußerliche Menschenrechte wie andere Menschen. Die Tagung wolle aufrufen zu einem differenzierten und sachlichen Dialog und "weg von glatten Lösungen".

Voß forderte eine Lösung auf europäischer Ebene. Es sei nicht zu erwarten, dass in einer globalisierten Welt die Grenzen für Menschen ganz dicht gemacht werden könnten. Menschen drängten immer dahin, wo sie eine Lebensperspektive sähen. Er kritisierte, dass das neue deutsche Zuwanderungsrecht das Problem der Illegalen nicht aufgegriffen habe.

Die Aufregung um die Visa-Affäre lenke von den eigentlichen Problemen der Flüchtlinge ab, sagte Voß. Es sei erschütternd, in den Beratungsstellen der Caritas zu hören, was Menschen alles auf sich nähmen, um ihre Existenz zu sichern. Die Gründe, warum Menschen in Deutschland illegal lebten, seien vielfältig. Manche suchten irgendeinen Weg, um ihre Familien zu ernähren und lebten von Schwarzarbeit. Anderen sei die legale Duldung aberkannt worden, aber sie wüssten nicht, wohin sie gehen sollten. Wieder andere seien Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution. Man müsse keine Angst vor diesen Menschen haben. Sie lebten unter uns und arbeiteten bereits in der Pflege, als Reinigungskräfte oder auf dem Bau.
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