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4.3.2005
Flexibilisierung des Arbeitsmarktes gefordert
Interview mit Thomas Straubhaar (HWWA)

Arbeiten im Niedriglohnsektor (Bild: AP)
Arbeiten im Niedriglohnsektor (Bild: AP)
In Deutschland gibt es nach Ansicht des Präsidenten des Hamburgischen Welt-Wirtschaft-Archivs (HWWA), Thomas Straubhaar, kein Konjunkturproblem.

Selbst wenn die Konjunkturprognose für 2004 zurückgenommen werde, sei das kein Drama, sagte Straubhaar im DeutschlandRadio Berlin. Zentraler Lösungsansatz, um die Massenarbeitslosigkeit zu bekämpfen, sei nicht bei staatlichen Maßnahmen zu suchen, sondern darin, die Strukturen des Arbeitsmarktes zukünftig flexibler zu gestalten. Deshalb sei die Forderung der Union nach Absenkung der Steuern ein richtiger, aber nicht am dringendsten benötigter Schritt. Straubhaar wörtlich: "Da helfen tiefere Steuern, aber es ist nicht der entscheidende Punkt. Wir müssen vor allem beim Arbeitsmarkt beginnen: Niedriglohnsektoren schaffen, mehr betriebliche Bündnisse für den einzelnen Betrieb, mehr Beschäftigung durch vereinbarten Kündigungsschutz - das sind die wichtigeren Punkte."

Der HWWA-Präsident betonte, die Steuersätze in Deutschland seien im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig. Allerdings müssten bei der Bemessungsgrundlage Änderungen vorgenommen werden. So seien die Abschreibungen in Deutschland auf viel zu lange Zeitfristen ausgelegt. Straubhaar erklärte auch, die Unternehmen in Deutschland seien liquide. Allerdings würden sie ihr Eigenkapital nicht investieren, weil sie kein Vertrauen in den langfristigen Kurs der Wirtschaftspolitik hätten. Das sei auch der Grund für die stagnierende Binnennachfrage. Straubhaar weiter: "Die Binnennachfrage wird sehr schnell sehr viel besser, wenn für die Arbeitnehmer etwas mehr Hoffnung am Ende des Tunnels ersichtlich ist. Dann werden sie auch schnell bereit sein, Geld auszugeben."
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