Interview
Interview zum Tage
Montag bis Samstag • 6:50 • 7:50
5.3.2005
Necla Kelek: Muslime in Parallelgesellschafen haben bei der Kindererziehung versagt
Hamburger Soziologin fordert bessere Integration

Türkinnen in Berlin (Bild: AP Archiv)
Türkinnen in Berlin (Bild: AP Archiv)
Die Hamburger Soziologin und Schriftstellerin Necla Kelek hat muslimischen Organisationen und Familien vorgeworfen, in der Kindererziehung versagt zu haben. Je mehr sie sich von der deutschen Gesellschaft abgeschottet hätten, desto negativer seien die Folgen, sagte Kelek vor der heutigen Demonstration gegen so genannte Ehrenmorde an muslimischen Frauen.

Viele Kinder seien aufgrund falscher Erziehung schlecht in der Schule und hätten keine Chance im Beruf. Eine der wichtigsten Schnittstellen der Kulturen sei die Schule. Hier müssten Chancen und Anforderungen für alle Kinder gleich sein. Es dürfe nicht vorkommen, dass muslimische Mädchen nicht am Schwimm- oder Biologieunterricht teilnähmen. "Damit schneidet man sie von der deutschen Gesellschaft ab", warnte Kelek.

"Falsche Toleranz"

Solche Ausnahmen zeugten von falscher Toleranz. Manche türkischen Familien hatten das missverstanden und missbraucht, indem sie mittelalterliche Kultur nach Deutschland gebracht hätten, in der Eltern alles bestimmen könnten. "Die deutsche Gesellschaft ist nicht selbstbewusst genug, um zu sagen: wir haben hier eine Kultur, die wichtig ist für das Zusammenleben", sagte Kelek. Es gehe jetzt darum, die Grundrechte für muslimische Frauen und Kinder durchzusetzen.

Kelek appellierte an muslimische Verbände und Moscheen, Eltern besser aufzuklären. Die Organisationen müssten klar machen, dass kleine Schulmädchen keine Frauen seien und dass alle Kinder gut Deutsch lernen müssten.
-> Interview
-> weitere Beiträge