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1.12.2004
Vor 20 Jahren nahm das Satellitenfernsehen 3sat den Sendebetrieb auf
Nur 8000 Haushalte konnten das das öffentlich-rechtliche Kulturprogramm zunächst empfangen
Von Hartmut Goege

3sat - Logo (Bild: 3sat)
3sat - Logo (Bild: 3sat)
1984 war medienpolitisch ein revolutionäres Jahr. Einerseits startete die Ära des Privatfernsehens, andererseits fielen durch die neue Satellitentechnik räumliche Grenzen. Erstmals waren Zuschauer theoretisch in ganz Europa mit einem Fernsehsignal erreichbar. Doch lediglich 8000 Haushalte waren anfangs technisch im Stande im Ludwigshafener Kabelpilotprojekt das neue sechsstündige werbefreie 3sat - Programm aus Mainz zu sehen. Fünf Jahre später waren es schon sieben Millionen. Heute zeigt sich, dass der Gründungsvertrag zwischen den drei öffentlich-rechtlichen Sendern ZDF, dem österreichischen ORF und der schweizerischen SRG durchaus visionär war. Mit einem jährlichen 50 Millionen Euro - Etat hat sich 3sat bis heute zur größten gemeinschaftlichen deutschsprachigen TV- Plattform für Kultur, Wissenschaft und Bildung entwickelt. So war es von Beginn an gedacht, wie der frühere 3sat Programmdirektor Walter Konrad betont:

Es waren folgende Überlegungen, dass der wichtige Bereich der Kultur, der ja in der Tradition der Öffentlich-rechtlichen Anstalten immer eine wichtige Rolle gespielt hat, der in der dann aufkommenden Konkurrenz - Situation ein bisschen an die Ränder zu geraten drohte, verdient ein wichtiges und eigenes Programm für sich zu haben, weil dazu wesentliche Dinge für unsere Gesellschaft basieren, und sich die Privaten nicht kümmern werden, die großen Hauptprogramme nicht mehr in der Primetime ihres Programms. Also dass es ein Programm geben muss, das als Schwerpunkt die Kultur hat.

1993 wurde auch die ARD mit ins Boot geholt. Die wachsenden Finanzierungslöcher der Öffentlich-rechtlichen machten diesen Schritt notwendig. Die ARD stellte gleichzeitig ihr Satellitenprogramm EinsPlus ein. Auch SRG und ORF waren in erster Linie aus finanziellen Gründen in die Länderübergreifende Partnerschaft eingestiegen. Peter Zureck vom ORF:

Inzwischen ist eine liebgewordenen Gewohnheit daraus geworden, und wir haben über 3sat die Chance, österreichische Programme aus Kultur, Wissenschaft, genauso aber auch aus dem Tourismus einem Publikum von potenziell mehr als 100 Millionen Zuschauern zuzubringen, was auf andere Art und Weise dem ORF vorerst nicht möglich wäre.

Kritiker warfen 3sat gelegentlich Profillosigkeit vor oder Resteverwerter der Hauptprogramme zu sein. Das hat sich aber gerade in den letzten Jahren durch einige sehr engagierte Sendereihen grundlegend geändert.

1995 startete das Magazin "Kulturzeit". Ein Novum in der deutschen Fernsehgeschichte. Eine tägliche Kultursendung, noch dazu zur besten Sendezeit um 19.20 Uhr, hatte es bisher noch nicht gegeben. Moderator Gert Scobel:

Es hat gerade am Anfang bevor die Sendung überhaupt stattfand, gerade in der ARD eine Menge Kollegen gegeben, die gesagt haben, das schafft ihr nie jeden Tag 40 Minuten Kultur zu machen, das Programm kriegt ihr nie voll. Heute ist es eine Tatsache, dass wir meistens Probleme haben, das Programm, was wir haben, überhaupt noch unterzubringen. Und müssen oft sogar noch relativ gute Sachen sogar rausschmeißen.

Das inzwischen mehrfach ausgezeichnete "Fernseh-Feuilleton" ist mit dem täglichen Wissenschaftsmagazin "Nano" eine echte Marke geworden und beweist, dass selbst produzierte Sendungen besser für ein eigenes 3sat-Image werben als Wiederholungen und Konserven aus den vier Muttersendern. Trotzdem liegt der Marktanteil von 3sat lediglich bei einem Prozent. Im Zusammenhang mit der Debatte um die Rundfunk- und Fernsehgebühren ist deshalb das Damoklesschwert einer Streichung oder von der Politik mehrfach geforderten Zusammenlegung mit dem deutsch-französischen Kulturkanal ARTE nie ganz verschwunden, auch wenn Kulturstaatsministerin Christina Weiss sich strikt dagegen ausspricht. Eine Diskussion, die man in Österreich weniger nachvollziehen kann. ORF-3Sat Chef Wolfgang Lorenz sieht bei seinen Zuschauern eine deutlich wachsende Akzeptanz.

Der Österreicher fühlt sich vielleicht von Kunst und Kultur mehr betroffen, aber ich glaube schon, dass das wichtig ist, dass man eben nicht abgrenzt, auch die Kulturarbeit nicht zu eng definiert, sondern die Leute dort abholt, wo sie sind. 3sat ist ein Mittel, um einem mitzuteilen, du bist gemeint und nicht immer der andere. Kultur ist etwas, was auch für dich gut ist und deinem persönlichen Leben eine Bereicherung zuführt. Und das glaube ich, haben die Österreicher kapiert.
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