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4.2.2005
Vor 60 Jahren begann die Konferenz von Jalta
Roosevelt, Churchill und Stalin legten die Nachkriegsordnung in Europa fest
Von Juri Silvestrow

Der sowjetische Diktator Stalin, US-Präsident Roosevelt und der britische Premierminister Churchill im Jahr 1943. (Bild: AP)
Der sowjetische Diktator Stalin, US-Präsident Roosevelt und der britische Premierminister Churchill im Jahr 1943. (Bild: AP)
Bei den Verhandlungen vom 4. bis 11. Februar 1945 im Badeort Jalta auf der Halbinsel Krim waren sich die "Großen Drei" - US-Präsident Franklin Delano Roosevelt, der britische Premierminister Winston Churchill und der sowjetische Regierungschef Josef Stalin in grundsätzlichen Punkten einig. Die schnelle Beendigung des Krieges sowie die Entmilitarisierung und Entnazifizierung Deutschlands betrachteten die Teilnehmer als wichtigstes gemeinsames Ziel. Jedoch hatten alle Seiten auch eigene Interessen, die sie durchsetzen wollten. Sergej Jurtschenko ist Historiker und stellvertretender Direktor des heutigen Museums im Liwadija-Palast, in dem die Konferenz 1945 stattfand.

Die Vereinigten Staaten wollten in Jalta drei wichtige politische Fragen lösen. Erstens ging es für sie um die Gründung der Organisation der Vereinten Nationen, zweitens wollten sie mit Stalin eine Vereinbarung über den Krieg der Sowjetunion gegen Japan treffen, drittens wollte Roosvelt den Expansionsdrang der Sowjetunion in Ost- und Südosteuropa nicht ganz außer Kontrolle geraten lassen. Churchill war vor allem am Gleichgewicht in Europa nach dem Krieg und an der Erhaltung des kolossalen Imperiums interessiert, über das Großbritannien damals verfügte. Die Sowjetunion wollte einen Sicherheitsring von Satellitenstaaten an ihren westlichen Grenzen bilden und territoriale Fragen im Fernen Osten lösen, die mit dem Krieg gegen Japan verbunden waren.

Wie bei ihrem Treffen in Teheran zwei Jahre zuvor wurde auch in Jalta die Frage über die staatliche Aufteilung des entnazifizierten Deutschland behandelt. Stalin war eher für eine dauerhafte Zerstückelung des Landes. Churchill erschien diese Variante nicht günstig, denn das würde den wirtschaftlichen Wiederaufbau Deutschlands verlangsamen und negative Auswirkung auf die gesamte europäische Erholung haben. Darüber hinaus könnten mehrere deutsche Kleinstaaten nach Churchills Meinung zu einem Unruheherd mitten in Europa führen.

Jedenfalls wurde entschieden, neben den Alliiertenzonen auch eine französische Besatzungszone zu bilden. Das war ein Vorschlag von Churchill, der sich ohne Frankreich kein Gleichgewicht in Europa und vor allem in Deutschland vorstellen konnte.

Besonders wichtig war die Entscheidung über die Gründung der UNO. Sergej Jurtschenko:

Gerade in Jalta wurde vereinbart, dass am 25. April in San Francisco eine Konferenz über die beabsichtigte Weltorganisation einberufen wird. Es wurde beschlossen, welche Länder der UNO als erste Mitglieder beitreten werden und wie die Abstimmung im Sicherheitsrat erfolgen sollte. Übrigens sicherte sich die UdSSR gleich drei Plätze in den Vereinten Nationen: Die zwei Sowjetrepubliken Ukraine und Weißrussland, denen im Krieg besonders großer Schaden zugefügt worden war und die Sowjetunion als separater Staat.

Die USA haben auf der Krim auch ihr zweites Ziel erreicht: die Sowjetunion versprach, innerhalb von 90 Tagen nach der Kapitulation des Dritten Reiches Japan den Krieg zu erklären.

Große Aufmerksamkeit wurde in Jalta der Zukunft Polens geschenkt. Die Sowjetunion bekam den östlichen Teil des Landes zugesprochen. Zum Ausgleich sollte Polen mit deutschem Gebiet bis zur Oder-Neisse-Linie entschädigt werden.

Stalin war an der Festlegung der Reparationen durch Geld- und Sachlieferungen interessiert, die Deutschland auferlegt werden musste und am Anteil, den die UdSSR davon erhalten sollte. In dieser Hinsicht hielt das Protokoll fest:

Wiedergutmachung in natura ist von Deutschland in den drei folgenden Formen zu nehmen: (a) Wegschaffungen von deutschem Nationalvermögen; (b) Lieferungen von Gütern der laufenden Produktion; (c) Benutzung deutscher Arbeitskräfte.

Zur Ausarbeitung eines detaillierten Planes für die Erhebung von Reparationen sollte eine alliierte Wiedergutmachungskommission in Moskau errichtet werden. Bezüglich der Gesamtsumme der Wiedergutmachung und deren Verteilung kamen die Delegationen auf der Krim folgendermaßen überein:

Die Moskauer Reparationskommission soll den Vorschlag der Sowjetregierung annehmen, dass die Gesamtsumme der Wiedergutmachung 20 Milliarden Dollar betragen und dass davon die Hälfte die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken erhalten sollen.

Im Großen und Ganzen erzielten alle Seiten in Jalta das, womit sie gerechnet hatten. Eine weitere Präzisierung der Nachkriegsordnung in Europa erfolgte auf der Konferenz von Potsdam im Juli und August 1945.
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