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9.2.2005
Vor 195 Jahren wurde Carl Maria von Weber verhaftet
Von Xaver Frühbeis

Orchesterfoto der Berliner Symphoniker (Bild: Berliner Symphoniker)
Orchesterfoto der Berliner Symphoniker (Bild: Berliner Symphoniker)
Carl Maria von Weber arbeitete für den Kleinfürsten Ludwig Friedrich Alexander von Württemberg, mit Residenz in Stuttgart, aber nicht als Musiker, sondern als Privatsekretär. Er hatte seinem Herrn vor allem sensible Gelddinge zu erledigen. Nebenbei durfte Weber natürlich auch komponieren, und während er noch an der Musik für das Bühnenstück "Turandot" arbeitete, bahnte sich bereits die Katastrophe an.

Webers Vater, Franz Anton, war über fünfundsiebzig. Seit seine Schwester gestorben war, hatte er niemanden mehr, der ihm den Haushalt führte, und nun hatte er beschlossen, zu seinem Sohn zu ziehen. Er kam mit zwei großen Hunden und seiner Bassgeige, die er auf dem Dach der Kutsche festgebunden hatte. Auch sonst war Webers Vater ein etwas eigenwilliger Mensch.

Eigentümliche Neigung bestimmte meinen Vater zuweilen, seinen Aufent-haltsort zu wechseln.

Das klingt nach Reiselust. In Wirklichkeit aber war Webers Familie auf der Flucht vor Gläubigern. Mit Gelddingen nämlich hat es Franz Anton nie recht genau genommen. Und so dauerte es auch jetzt nicht lange, bis er in der Wohnung seines Sohnes 800 Gulden entdeckte, die ihm irgendwie einen herrenlosen Eindruck machten. Weber hatte die Summe vom Herzog für den Ankauf von Pferden erhalten. Franz Anton jedoch beglich damit eigene, private Schulden. Und das war nicht gut.

Als der Sohn erfuhr, wo die 800 Gulden hingekommen waren, war er nicht sehr glücklich. Denn die Pferde mussten natürlich trotzdem her. Das Geld dafür hatte er nicht, also hieß es umschulden. Weber kannte einen Gastwirtssohn, der im militärfähigen Alter war. Kräftige junge Burschen waren seines Herzogs wert-vollstes Exportgut. Brauchte er Geld, ließ er einfach ein paar von ihnen zusam-mentreiben und verkaufte sie als Soldaten an irgendwelche befreundeten Länder. Und auch wenn der Herzog seine Untertanen nicht verkaufte, wurde er reich damit. Man konnte sich nämlich von der Zwangsrekrutierung freikaufen. Und genau das hatte der Gastwirtssohn vor, und genau dazu hatte er Weber Geld gegeben. Weber jedoch kaufte davon des Herzogs neue Pferde, und so wurde der Gastwirtssohn eingezogen, obwohl er doch bezahlt hatte. Der Ärmste beschwerte sich, und die ganze Sache kam ans Licht. Am 9. Februar 1810 wurde Carl Maria von Weber mitten aus einer Probe im Theater geholt und festgenommen. Sechzehn Tage lang lag er in Untersuchungshaft, Schande über dem Haupt und Angst im Herzen.

Ein feierlicher Chor am Schluss dieser Szene aus Webers Oper "Abu Hassan" zeigt die Ankunft Harun al Raschids an, des freundlichen Kalifen. Im Falle Webers kam aber nicht ein freundlicher Kalif, sondern ein wütender König von Württemberg. Der leitete in eigener Person den Prozess gegen Weber und plädierte auf Ausweisung des Sünders aus dem Land. Auf diese Weise wollte er verhindern, dass die Methoden des Herzogs zur Aufbesserung seiner Finanzen beim Volk allzu bekannt wurden. Und so überquerte zehn Tage später der Komponist Carl Maria von Weber die württembergische Grenze in Richtung Mannheim, beladen mit Schmach und einem Empfehlungsschreiben seines Freundes Danzi. Die Schulden, die Weber in Stuttgart zurückließ, hat er aus der Ferne abbezahlt, als Königlich Sächsischer Hofkapellmeister in Dresden.
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