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28.9.2004
Sanierungsplan KarstadtQuelle
Von Thomas Weinert

Einkaufen, Verreisen, ein Wohnung mieten, Kaffeekochen, Pakete verschicken und wieder einkaufen - das ist etwas viel für ein Unternehmen, das wir eigentlich unter "Handelskonzern" begreifen. Zugegeben: KarstadtQuelle ist zum Großteil Karstadt und Quelle, die beiden Unternehmensbereiche Warenhaus und Versandhandel sind mit Abstand die beiden wichtigsten Umsatzträger - doch die Randbereiche eben, sie sind vollkommen ausgefranzt, verzettelt in Geschäftsideen, die unter einem Management eigentlich kaum zu handeln sind. Dieses nun zu ändern, sich zu konzentrieren auf das Kerngeschäft Warenhaus und Versandhandel und gleichzeitig dabei zu schrumpfen - nun, das ist auf jeden Fall die richtige Strategie. Die Berichterstattung über die jüngste Krise bei KarstadtQuelle zieht sich ja nun bereits über die halbe Woche und unisono sprechen Handelsexperten und Börsenanalysten davon, dass es ein guter Weg ist, den Konzernchef Christoph Achenbach nun eingeschlagen hat. Für das Unternehmen fatal ist nur die Tatsache, dass dieser Rettungsversuch so lange hatte auf sich warten lassen. Der heute vorgelegte Sanierungsplan ist der vierte seit der Zusammenlegung von KarstadtQuelle vor fünf Jahren.

Wolfgang Urban, der Ex-Vorstandsvorsitzende, der verantwortlich gemacht wird für die Verzettelung bei KarstadtQuelle, er hatte das Handtuch geworfen und es ist müßig, an dieser Stelle über Schuld zu reden, eher über Verantwortung und der kommt ein Manager wohl nach, wenn er merkt, dass er den Job nicht mehr stemmt. Umso wichtiger ist jetzt die Geschwindigkeit, mit der Urbans Nachfolger Achenbach versucht KarstadtQuelle vor dem Untergang zu retten. Es geht auch nicht nur um den Wertverlust des Unternehmens - bei den Großaktionären Allianz und Schickedanz hält sich irgendwie das Mitleid in Grenzen - es geht um so viel Mitarbeiter, wie eine deutsche Großstadt Einwohner hat. Oder ein anderes Beispiel: Würde der Konzern kaputt gehen, die nur durch Hartz IV geschätzten neuen Arbeit-Suchenden würden sich auf einen Schlag um ein Viertel vermehren. Eine Pleite von KarstadtQuelle wäre eine volkswirtschaftliche Katastrophe.

Und wenn jetzt die Gewerkschaft ver.di von 30.000 betroffenen Beschäftigten berichtet, dann ist das sicher gerechtfertigt, es heißt aber nicht, dass Arbeitsplätze in dieser Größenordnung verloren gehen. Das große Risiko beim heute vorgestellten Rettungplan bleibt allerdings der ehrgeizige Zeitplan, denn welche Konkurrenten oder Kapitalanleger sollen all die Warenhäuser und Tochterfirmen kaufen, die KarstadtQuelle mit dem heutigen Tag an Markt gegeben hat - mitten hinein in die längste Einzelhandelskrise der jüngere deutschen Geschichte? Es bleibt festzuhalten nach den Tarifverhandlungen bei Siemens oder Daimler oder selbst nächte Woche, wenn es bei Volkswagen wieder los geht: In keinem deutschen Großunternehmen wird den Mitarbeitern in näherer Zukunft so viel abverlangt werden wie bei KarstadtQuelle.
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