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31.10.2004
PDS Parteitag
Von Günter Hellmich

Lothar Bisky hat es fast geschafft aus der PDS wieder so etwas zu machen wie eine Sozialistische Einheitspartei. Die Flügelkämpfe zwischen Reformern und linker Opposition, die in den letzten Jahren selbstzerstörerische Dimensionen angenommen hatten - wurden in Potsdam äußerst dezent ausgefochten. Selbst Hans Modrow, der sein Privileg als Ehrenvorsitzender den Parteitag eröffnen zu dürfen, bisher stets dazu nutzte, ein paar kleine Schläge gegen Rechtsabweichler auszuteilen, verzichtete diesmal darauf. Sarah Wagenknecht in Auftritt und Outfit nach wie vor Rosa Luxemburg Epigonin, guckte ernst, geißelte im wesentlichen aber den Kapitalismus als solchen und weniger den Sozialdemokratismus der eigenen Genossen. Die demonstrierte Geschlossenheit bedeutet nicht, dass die Traditionalisten und neuen Linksradikalen zur PDS-Vorstandslinie bekehrt worden wären. Sie haben nur eingesehen, dass es sich die Partei derzeit nicht leisten kann, in den Medien als zerstrittener Haufen dargestellt zu werden.

Flagge gezeigt werden konnte trotzdem - nur eben diskret. Hans Modrow beispielsweise durfte ein sogenanntes Exposé einbringen. Das mehrseitige Papier in dem der Parteiführung vorgeworfen wird die Traditionslinien der PDS und ihrer eingesessenen Mitgliedschaft zu verlassen, wurde als Diskussionsmaterial für den Vorstand ohne Debatte verabschiedet und damit der öffentlichen Diskussion entzogen

Lothar Bisky hat eine perfekte Regie geführt, aber Eintracht allein wird der PDS noch nicht über die Fünf-Prozent- Klausel der nächsten Bundestagswahl helfen.Nach den Wahlerfolgen dieses Jahres haben auch optimistische PDS-Genossen registrieren müssen, dass mit Abflauen der Hartz IV Proteste nun auch die Umfragewerte wieder in den Keller gehen.

Als möglicher Retter präsentierte sich mit einer rhetorischen Glanzleistung wiedereinmal Gregor Gysi. In einer 30minütigen Motivationsshow zeigte der bewährte Medienstar was er Wert wäre als Spitzenkandidat für den Bundestag. Nur ob er die Herausforderung 2006 annimmt ließ er wie erwartet weiter offen. Keine Frage der Mann ist mit oder ohne Amt und Mandat für die PDS ein Geschenk des Himmels. Allein wegen seiner rhetorischen Fähigkeiten. Aber das Licht strahlt ja auch dort immer besonders hell, wo es ganz finster ist.


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