Kommentar
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2.11.2004
Die Queen in Deutschland
Von Margarete Limberg

Die Queen ist ein recht häufiger Gast in Deutschland. An ihr liegt es ganz gewiss nicht, wenn auch bei diesem Staatsbesuch über den Zustand der deutsch- britischen Beziehungen diskutiert wird, mit fragendem Unterton. Es geht bei diesem Besuch zwar nicht um politische Entscheidungen, sondern eher um Protokollarisches, Atmosphärisches, allenfalls Symbolisches. Und wie gewohnt absolviert Elisabeth II das Programm unspektakulär, würdevoll und diszipliniert. Dennoch ist auch dieser Besuch Anlass zu fragen, wie es Deutsche und Briten fast 60 Jahre nach Kriegsende miteinander halten.

Die Beziehungen zwischen Deutschland und Großbritannien sind gut und freundschaftliche zumindest auf der offiziellen Ebene. Die atmosphärischen Störungen wegen des Irak-Krieges hatten beileibe nicht die Schärfe der deutsch- amerikanischen Dissonanzen.

Wenn man gleichwohl immer wieder über den Zustand des Verhältnisses zwischen Deutschen und Briten nachdenkt, dann vor allem deshalb , weil im Vereinigten Königreich die Bundesrepublik nach wie vor verzerrt wahrgenommen wird. Zahlreiche Versuche, das Deutschland - Bild dort zu aktualisieren, sind gescheitert. Hunnen ist immer noch eine Lieblingsvokabel der britischen Boulevardpresse für die Deutschen, die gerne als unverbesserlich eroberungslüsterne Nation beschrieben werden, die jetzt Europa mittels EU unter ihre Knute bringen will.

Britische Lehrer, denen die Bundesregierung die Chance geben wollte, sich selbst ein Bild von diesem Land zu machen, um dies möglichst an ihre Schüler weiterzugeben, gaben zu, dass dies ein fast aussichtsloses Unterfangen sei, weil der Nationalsozialismus so viel faszinierender sei als die komplizierte deutsche Demokratie.

Hier ist noch viel zu tun. Ob der Staatsbesuch der Königin, deren Programm geradezu betont von Zukunftsthemen dominiert wird, dem wechselseitigen Austausch neue Impulse geben kann, ist die große Frage. Ein deutsch-englisches Jugendwerk nach deutsch- französischem Vorbild ist eigentlich überfällig.

Etwas übler als die üblichen Beschimpfungen, die übrigens auch die Franzosen in der Radaupresse der Insel über sich ergehen lassen müssen, war der Versuch einiger britischer Zeitungen, durch die Falschmeldung, Deutschland verlange von der Königin eine Entschuldigung für die Bombardierung deutscher Städte im Zweiten Weltkrieg, den Besuch noch in letzter Minute zu stören. Das war schon starker Tobak. Die Regierung denkt nicht daran, dergleichen zu verlangen, und es gibt auch keinen Grund dazu. Den Krieg mit all seinen Verheerungen und fürchterlichen Folgen haben schließlich die Deutschen begonnen. Außerdem ist die Bombardierung Dresdens in Großbritannien in den letzten Jahren intensiv diskutiert worden, und an versöhnenden Gesten gerade des Königshauses hat es nicht gefehlt. Die Königin hat das Kuppelkreuz für die Frauenkirche bezahlt, ihre Landsleute haben mehrere hunderttausend Euro für den Wiederaufbau dieser Kirche gespendet, auch der Erlös eines Benefizkonzerts, das auf Initiative der Briten morgen in der Philharmonie stattfinden wird, kommt der Frauenkirche zugute. Das sind konkrete Gesten, die mehr aussagen als viele große Worte.
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