Kommentar
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4.11.2004
Zur Abschaffung des deutschen Nationalfeiertages 3. Oktober
Von Dieter Putz

Was, zum Teufel, hat die Bundesregierung denn da geritten?

Ach, werden die einen sagen, der 3. Oktober war doch sowieso nur eine verklemmte Ersatzlösung, weil man sich der Vergangenheit wegen nicht traute, den Tag des Mauerfalls am 9. November 1989 zu nehmen. Den Tag, an dem wirklich in Deutschland die Herzen zum Himmel stiegen.

Und, mein Gott, stöhnen andere, die da meckern seien doch dieselben, denen die Wiedervereinigung langsam zu teuer werde. Da steckt ein netter Gedanke dahinter. Die Regierung hätte zumindest sagen können, wir verzichten nicht auf den 3. Oktober, aber wir arbeiten aber an diesem Tag, wenigstens für die nächsten Jahre, und stecken das in diesen 24 Stunden Erwirtschaftete in die Angleichung von Löhnen, Renten und Arbeitslosengeld II in Ost und West. Das wäre zwar wirtschaftlich wenig sinnvoll, aber moralisch einwandfrei gewesen.

Hat die Regierung aber nicht gesagt. Stattdessen soll der 3. Oktober geopfert werden, um angeblich die aktuelle Haushaltsplanung zu retten und nicht wiederum die europäische Drei-Prozent-Latte zu reißen. Ausgerechnet also jener Tag, der seit 14 Jahren einem Nationalfeiertag würdig und angemessenem ausgerichtet wird, so viel ernster und entschiedener als der 17. Juni in seiner Spätzeit, ausgerechnet dieser Tag wird dem Scheitern der aktuellen Politik hinterhergeworfen.

Wie soll man eine solche Entscheidung nennen? Unpatriotisch? Geschichtsvergessen? Grobschlächtig? Jämmerlich? Lächerlich? Dämlich?

Mein Terminplaner teilt mir folgendes mit: Von 22 aufgeführten Staaten rund um den Globus feiert jeder einen besonderen Tag besonderer nationaler Bedeutung - sei es den der Unabhängigkeit, der Verfassung oder der Befreiung oder des Sieges oder oder, immer ist es ein historisches Datum außerordentlicher Emotionen und Erregungen. Und zwar nicht an irgendeinem Sonntag vor oder nach dem Ereignis, mal so und mal so, gewissermaßen je nach Kassenlage und Weisheit der jeweiligen Regierung, sondern exakt an einem festen,
unverrückbaren und unabsehbar gültigem Datum. Fragen Sie einen Franzosen nach dem 14. Juli, einen Amerikaner nach dem 4. Juli, einen Russen nach dem 10. Mai. Oder sagen Sie einem Niederländer, den Geburtstag der Königin am 30. April, könnten er und sein Land diesmal am Sonntag den 24. April feiern oder - auch nicht schlecht - je nach Wettervorhersage im Sommer.

Also: Man muß nicht gleich in die Schublade patriotischer Bewertung greifen. Diese Schnapsidee der Bundesregierung beweist eines viel nachdrücklicher: Hinter dem Schleier
aktuell guter Umfragewerte verrät sie flatternde Nerven, weil sie weiß, dass sie wiederum
einen Monopoly-Haushalt zusammenschustert. Und davon soll auch die Erregungsdebatte über den 3. Oktober ablenken. Diese Aktion ist ein waschechter Schröder. Wie er leibt und lebt. Und regiert.

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