Kommentar
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26.11.2004
KarstadtQuelle
Von Dr. Michael Braun

Die Situation war aus Sicht eines räuberischen Aktionärs ideal: Die Kapitalerhöhung war eine Maßnahme, die ins Handelsregister eingetragen werden muss, und es musste schnell gehen, sonst drohten Kreditlinien zu krachen und die ganze Sanierung zu scheitern. Der Zeitdruck und das ausgefeilte deutsche Anfechtungsrecht machte Karstadt also erpressbar, erpressbar notfalls durch einen einzigen Aktionär, der mit einem Widerspruch 100.000 Arbeitsplätze hätte gefährden können.

Wie es aussieht, war die Handvoll Kleinaktionäre, mit denen Karstadt sich gestern Abend geeinigt hat, nicht darauf aus, Karstadt aus finanziellen Gründen zu erpressen. Wie es aussieht, wollten sie wirklich nur Details der Sanierung allen Aktionären zugänglich machen und Verantwortlichkeiten auch in Zukunft nachvollziehbar machen. Wie es aussieht wurden den Kleinaktionären ihre Rechte nicht abgekauft, auch nicht - wie oft in diesem zweifelhaften Gewerbe - über den Umweg über Gutachten, die das Unternehmen nicht braucht, die auch wertlos sind, die aber eine Rechnung erzeugen, die dann auch bezahlt wird.

Bisher ist es nur einmal gelungen, einen räuberischen Aktionär erfolgreich wegen Erpressung zu verklagen. Das war vor vielen Jahren, als die Aachen-Münchner Versicherung die frühere BFG-Bank übernahm und ein Kleinaktionär dagegen zu Felde zog, um mit dem Protest seinen Reibach zu machen. Auch bei Karstadt hatte ein Einzelaktionär versucht, mit dem Angebot, seinen Widerspruch zurückzuziehen, die Einzelhandelsklette SinnLeffers zu einem günstigen Preis zu übernehmen. Gut, dass der Widerspruch unwirksam war.

Bundesregierung und Gesetzgeber sind dabei, solchen Missbrauch von Aktionärsrechten einzudämmen. Das Umag, das Gesetz zur Unternehmensintegrität und Modernisierung des Anfechtungsrechts, ist auf dem Weg. Danach müssen Vergleiche mit protestierenden Aktionären veröffentlicht werden. Und vor allem müssen Kapitalerhöhungen, gegen die Einzelaktionäre vorgehen, nicht mehr rückabgewickelt werden.

Das erschwert den räuberischen Aktionären ihr Geschäft, und das ist gut so. Freilich haben sie auch bisher immer Wege gefunden, das große Wort Aktionärsdemokratie im Munde zu führen, nur um in die eigene Tasche zu wirtschaften. Bei Karstadt ist diese Hürde auf dem Weg zur Sanierung erst mal aus dem Weg geräumt. Es dürfte die kleinste gewesen sein. Jetzt müssen die 100.000 Arbeitsplätze im Markt gesichert werden, und das dürfte sehr viel schwieriger sein, als sich mit ein paar Kleinaktionären zu einigen.
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