Kommentar
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3.12.2004
Öttinger macht's
Oder: die CDU und die Basisdemokratie
Von Karl-Heinz Gehm

Öttinger macht's, wer sonst! Klare Verhältnisse also beim Showdown im Ländle, alles andere wäre eine Sensation gewesen.

In der politischen Männergesellschaft, welche die strukturkonservative CDU in Baden-Württemberg nun einmal dominiert, war es schlicht undenkbar, dass eine Frau, gar aus dem Rheinland noch, beim Basisentscheid triumphierte über einen Günther Öttinger, der die Sache als Heimspiel betrachten durfte.

Die CDU zwischen Neckar und Schwarzwald gibt sich zunächst einmal stolz und selbstbewusst dank ihrer frisch gewonnenen basisdemokratischen Erfahrungen. Ob der Geist aber nun wirklich aus der Flasche ist und diese Art der Personalentscheidung eine Zukunft in der Union hat, das wird sich zeigen müssen. Die politische Konkurrenz zumindest hat mit dieser Basisdemokratie nicht die allerbesten Erfahrungen gemacht.

Im Berliner Adenauer-Haus gibt man sich derweil gelassen. Auch was Basisdemokratie und Kanzlerkandidatenfrage angeht. Sicherlich, die Sympathien der Parteivorsitzenden lagen natürlich bei der Kandidatin Schavan, allerdings war Angela Merkel klug genug, sich angesichts des zu erwartenden Wahlausgangs öffentlich zurückzuhalten, um selbst keinen Schaden zu nehmen.

Der steht auch nicht zu befürchten, muss Öttinger doch, wenn er im nächsten Frühjahr sein Amt antritt, erst einmal regional Akzente setzen, bevor er sich auf der bundespolitischen Bühne präsentiert. Das wäre vorteilhaft für die baden-württembergische CDU, hat sich Erwin Teufel doch in den letzten Jahren rar gemacht auf dem Berliner Parkett, ein Bonus für das Ländle war das nicht.

Wenn sich demnächst dann Günter Öttinger in die Unions- und Bundespolitik einmischt, tummelt sich dort aus dem CDU-Lager schon eine ganze Reihe von Platzhirschen, die Müllers und die Wulffs und Kochs, alles liebe Kollegen aus der politkarriere-bewussten Anden-Connection. Zu der hat Angela Merkel bekanntlich keinen Zugang, was der eigenen Karriere, zumindest bislang, nicht geschadet hat.

Wenn die CDU im nächsten Halbjahr die beiden Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen mit Erfolg hinter sich bringt, werden kein Öttinger und keine Anden-Connection dem Ruhm der Vorsitzenden etwas anhaben können. Gehen die Wahlen aber verloren, wird die Chose schon spannender.
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