Kommentar
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22.12.2004
Laurenz geht
Oder: Warum nicht gleich so?
Von Karl-Heinz Gehm

Warum nicht gleich so?

Warum hat Laurenz Meyer nicht schon am Montag das Handtuch geworfen?

Warum dieser unsägliche Versuch der CDU-Vorsitzenden Merkel, ihren raffgierigen Generalsekretär halten zu wollen? Gegen eine öffentliche Meinung, die Sturm lief, und gegen die eigene Partei, allen voran zwei Landesverbände, denen die Wut des Wahlvolks wie der eigenen Funktionäre den ganzen Wahlkampf zu vermasseln drohte.

Wie kommt es zu so fataler Fehleinschätzung, welche erhebliche Zweifel aufkommen lässt an der Führungsqualität der CDU-Spitzenpolitikerin?

Alles dazu verbrämt mit dem menschelnden Motto: keine Brutalitäten in der Vorweihnachtszeit. Zumal Fehler, einmal eingeräumt, doch verzeihlich seien, war allem dann, wenn beim damit verbundenen Ablasshandel auch die SOS-Kinderdörfer bedacht würden.

So tönt, wer mitten im Leben stehen und das Wahlvolk beglücken will mit deutscher Leitkultur und Patriotismusdebatte und all jenem, was uns wertemäßig, doch zusammenhalten soll.

Das Duo Merkel/Meyer aber hat nicht mitten im Leben, sondern ziemlich neben sich gestanden, als es die CDU vor entscheidenden Wahlkämpfen weiter mit einem untragbar gewordenen Generalsekretär beglücken wollte.

Der war selbst nach Intensiv-Studium seiner Bankauszüge nicht in der Lage klarzustellen, welche dieser fünf- und sechsstelligen Beträge ihm als Inkarnation der Geschäftstüchtigkeit wann wofür überwiesen worden waren. Als Abfindung oder doch nicht, oder wofür eigentlich. Derweil lässt die Innenrevision des edlen Spenders aus dem Rheinischen verlauten, es sei eben sehr mühsam, das allen rekonstruieren zu wollen. Vielleicht kann die Staatsanwaltschaft ja etwas nachhelfen.

Die Augen-zu-und-durch-Strategie des Duos Merkel-Meyer ist nach zwei Tagen
gescheitert. Probleme aussitzen konnte ein anderer viel besser.

Das Elend, was angerichtet wurde, haben weder Meyer noch Merkel erkannt.

Was nützt der Partei, was nützt Frau Merkel, was bin ich bereit zu tragen, so die Abwägung, die Laurenz Meyer heute zum besten gab. Und die Parteivorsitzende griff bei ihrer öffentlichen Abwägung noch kürzer.

Da wird der Nutzen der Partei zum allein seligmachenden Prinzip erklärt. Was heißt schon Glaubwürdigkeit, was heißt Vorbildcharakter, wo sind da die berühmten Werte, die unsre Welt zusammenhalten sollen.

Politik präsentiert sich ganz so, wie der kleine Moritz sie sich vorstellt.

Sich nicht erwischen lassen ist oberstes Gebot. Laurenz Meyer hat eben Pech gehabt. Und Angela Merkel hat sich in diesem Fall als unfähig erwiesen.

Das wird nicht ohne Folgen bleiben.
Die lieben Parteifreunde, das ist politisches Naturgesetz, werden bei passender Gelegenheit darauf zurückkommen. Das kann schon bald sein. Selbst Volker Kauder, der neue General im Adenauerhaus, wird das nicht verhindern können.
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