Kommentar
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13.1.2005
Schwierige Hilfe
Der Fall Indonesien
Von Margarete Limberg

Es zeigt sich, dass es noch relativ einfach ist, unter dem Eindruck einer schrecklichen Katastrophe Hilfe zu versprechen und Sofortmaßnahmen einzuleiten, dass es aber kompliziert wird, wenn es um langfristige Wiederaufbauhilfe geht. Das wird besonders deutlich im Fall Indonesiens, dem am schlimmsten betroffenen Land. Seine Regierung macht es der Außenwelt schwer, sie zu verstehen. Sie schwankt zwischen Dankbarkeit und abweisendem Nationalstolz.

Ihre Skepsis gegenüber dem Angebot der im Pariser Club vertretenen Gläubigerländer, einen Aufschub bei der Tilgung der Milliardenschulden zu gewähren, lässt sich dabei noch erklären. Indonesien fürchtet um seine internationale Kreditwürdigkeit, wenn es sich auf das Moratorium einlässt, und damit muss man sich abfinden.

Das Land zieht direkte Zuschüsse vor. Die entscheidende Frage dabei ist, ob die Hilfe bei den Betroffenen ankommt. Größte Zweifel sind angebracht, denn es gibt nur wenige Länder auf der Welt, in denen die Korruption stärker verbreitet ist als in Indonesien. Es muss also verhindert werden, dass die zur Verfügung gestellten Mittel in die Taschen der militärischen und politischen Elite fließen , statt den Ärmsten, die alles verloren haben, zugute zu kommen.

Noch komplizierter wird die Frage sinnvoller Wiederaufbauhilfe im Falle Indonesiens dadurch, dass in der Katastrophenregion Aceh seit 30 Jahren ein blutiger Bürgerkrieg herrscht, in dem islamistische Rebellen mit äußerster Brutalität für das Ziel eines Gottesstaates kämpfen und die indonesischen Streitkräfte mit nicht weniger Grausamkeit zurückschlagen. Beide werfen der anderen Seite nun vor, die Hilfe zu behindern.

Bis zu dem Weihnachtstag, an dem das Seebeben die Provinz verwüstete, war es der Regierung gelungen, diese Region hermetisch von der Außenwelt abzuschließen. Und nur widerwillig ließen die Militärs in den letzten Wochen ausländische Helfer und sogar Soldaten nach Aceh. Dass sie die Bewegungsfreiheit der zivilen Helfer nun drastisch einschränken wollen, hat in erster Linie damit zu tun, dass sie die Lage völlig unter ihrer Kontrolle halten wollen. Das Wohl ihrer Landsleute scheint demgegenüber nachrangig zu sein. Gleichwohl ist die Frage erlaubt, wie wir reagieren würden, wenn die Rebellen Helfer überfielen oder entführten. Die Frage, wie es um deren Sicherheit bestellt ist, ist keineswegs abwegig. Aber sie muss so gelöst werden, dass sie die Hilfe nicht behindert. Auch die inzwischen relativierte Aufforderung des indonesischen Vizepräsidenten, alle ausländische Soldaten sollten bis Ende März Indonesien verlassen, hat ihren Ursprung in der Entschlossenheit, die Kontrolle unter allen Umständen in der Hand zu behalten. Man fürchtet außerdem offenbar, die USA hegten mit ihrer Präsenz langfristige strategische Pläne. Aber allein die amerikanischen Streitkräfte waren nach dem Seebeben imstande, so rasch und so massiv zu helfen, wie sie es zugunsten der Notleidenden getan haben und noch tun.

Natürlich ist es das gute Recht einer Regierung, über die Anwesenheit ausländischer Truppen zu entscheiden. Aber die indonesische Führung legt ein höchst seltsames Gebaren in einem Augenblick an den Tag, in dem das Land ausländische Hilfe dringend und noch lange braucht.

Diese Hilfe, die man den Opfern der Katastrophe nicht vorenthalten darf, sollte an klare Bedingungen geknüpft sein: sie muss diese Menschen erreichen, ob sie auf dem Wege einer Atempause beim Schuldendienst oder direkt gewährt wird. Sie muss gleichzeitig mit dem politischen Druck verbunden sein, die Chance für eine friedliche Lösung des Konflikts in Aceh, die sich in der größten Katastrophe seit Menschengedenken eröffnet, wirklich zu nutzen.
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