Kommentar
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18.1.2005
Zu den angeblichen Kriegsplänen Washingtons gegen den Iran
Von Dieter Putz

Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis die Weltöffentlichkeit sich damit beschäftigt, ob und dann wann und wie die Vereinigten Staaten einen störrischen Iran auch mit Waffengewalt zur Aufgabe seiner Atompläne zwingen wollen. Immerhin beschäftigt uns schon länger, dass beileibe nicht nur der CIA sich über eben diese Pläne und Aktivitäten verbreitet, sondern die Wiener Atomenergiebehörde. Und das offenbar so detailliert und seriös, dass Großbritannien, Deutschland und Frankreich mit Teheran darüber ernsthaft verhandeln.

Insofern scheint die Sache Iran mit dem Krieg gegen den Irak, der ja tatsächlich mit Spezialoperationen amerikanischer Spezialorganisationen begann, nicht in einen Topf zu gehören.

Trotzdem wird sich das alte Europa unwohl in seinen alten Betten wälzen, gepeinigt von seinen Zweifeln an Amerika an sich und Bush im Besondern. Einen zweiten Krieg im Mittleren Osten zu wagen, wäre das nicht der letztendliche Beweis für Hybris und Irrwitz? Und wäre das nicht der letztgültige Abschied Amerikas von allen Gemeinsamkeiten mit Europa?

Einer solchen Fundamentalkritik könnte man entgegnen: Wenn sich eine Weltmacht nicht auf alle Eventualitäten vorbereite, sei sie keine Weltmacht. Das käme wohl hierzulande einer moralischen Eigenschlachtung gleich.

Vor dem Ausbruch von Erregung und Zynismus wäre es freilich besser, ein paar nüchterne, staubtrockene Fragen zu stellen: Geht es da um einen großen Krieg oder um gezielte Luftschläge gegen iranische Atomeinrichtungen, wie es uns Israel vor Jahren im Irak vorgeführt hat?

Ist das amerikanische Militär, ist das amerikanische Volk zu zwei großen Konflikten gleichzeitig materiell und angesichts der Probleme im Irak auch mental in der Lage?

Wäre ein solches Unternehmen womöglich ganz im Sinne der iranischen Nachbarn und der Welt oder die endgültige politische und moralische Niederlage des Westens?

Und was sagen die Verbündeten der USA? Sind amerikanische Militärplanungen eine machtpolitisch sinnvolle Unterfütterung der europäischen Verhandlungsseite oder die gewollte Torpedierung einer gewaltfreien Lösung?

Oder geht es etwa nur darum, vor der Amtseinführung der neuen amerikanischen Außenministerin am Donnerstag und wenig später des Präsidenten der Welt klar zu machen, wo auch künftig der Hammer hängt?

Oder ist das alles nur eines der bekannten Spielchen zwischen Falken und Tauben in Washington? Fragen über Fragen. Und keine brauchbaren Antworten. Wir sollten unser Gemüt noch zügeln.
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