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24.1.2005
Volker Kauder wird CDU-Generalsekretär
Von Martin Steinhage

Diesen Tag kann sich Angela Merkel getrost in ihrem Kalender dick anstreichen: Der Verlauf des kleinen Parteitags mit der Wahl Volker Kauders zum Generalsekretär ist für die CDU-Chefin zweifellos ein Erfolg. Vielleicht gar, nach längerer Durststrecke, ein Wendepunkt hin zu besseren Zeiten - das freilich ist Spekulation. Fest dagegen steht: Merkel kann nun endlich wieder aus der Defensive, in die sie mit der Affäre Meyer und all deren Folgen geraten war, zurück in die Offensive - mit Kauder an ihrer Seite.

Der neue Generalsekretär der CDU ist zumindest für die politischen Beobachter im Berliner Regierungsviertel ein alter Bekannter: Volker Kauder hat sich als Parlamentarischer Geschäftsführer der Unions-Bundestagsfraktion Meriten erworben, seine Arbeit wird über die Parteigrenzen hinaus allenthalben zumindest respektiert. Der 55-Jährige kennt "seinen Laden", und er weiß auch, was ein Generalsekretär zu leisten hat. Schließlich hat Kauder dieses Amt in Baden-Württemberg bereits ausgeübt. Dass das Management der Bundespartei eine ungleich größere Herausforderung darstellt als der Job bei der CDU im Ländle, muss Kauder niemand erklären - er wird es wissen. Seine Erfahrungen in und mit der Partei sowie die Anerkennung, die er in der Union genießt, dürften Kauder helfen, die Aufgabe zu meistern.

Vielleicht ebenso wichtig wie die fachliche Qualität Kauders ist aus Sicht Merkels dessen mehrfach erprobte Loyalität gegenüber ihr, der Partei- und Fraktionschefin. Treue und Aufrichtigkeit sind ohnehin in allen politischen Parteien kostbare Güter - in der Merkel-CDU aber handelt es sich gar um ein äußerst rares Gut. Die Probleme der Frau aus Mecklenburg mit den Parteifreunden aus der allerersten Reihe sind hinlänglich bekannt. Einer der wenigen, denen Merkel vertrauen konnte - und dies wohl auch weitgehend tat -, war Ex-General Laurenz Meyer. Nun hat Angela Merkel in Kauder einen Mann gefunden, der es auch in dieser Hinsicht mit Meyer aufnehmen kann.

Hinzu kommt: Kauder hat in der Union größeres Gewicht als es Meyer je hatte. Sein Wort wird mehr zählen - gerade auch dann, wenn er sich für die Chefin verwenden muss. Das ist für Angela Merkel mit ihrer Doppelbelastung an der Spitze von Partei und Fraktion sowie ihrer zu keiner Zeit unumstrittenen Position innerhalb der Riege der Unionsgranden von allergrößtem Wert.

Und Rückendeckung wird sie brauchen - etwa um die anstehenden Herausforderungen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen erfolgreich zu bestehen. Noch mehr Rückhalt wird Merkel freilich benötigen, sollten die beiden Landtagswahlen für die CDU verloren gehen. Dann nämlich werden die "üblichen Verdächtigen" in der Union einen Schuldigen suchen - und eine Schuldige finden. Und dann könnte es in besonderer Weise auf den "getreuen" Kauder ankommen.

Auch Merkels zweite Personalentscheidung sollte sich als guter Griff erweisen: Mit Norbert Röttgen folgt Kauder im Amt des Ersten Parlamentarischen Geschäftsführers der Unions-Bundestagsfraktion ein relativ junger Mann, dem viel Talent nachgesagt wird. Die Defizite, die der gelernte Jurist in seiner neuen Funktion mangels Erfahrung zunächst noch zeigen dürfte, wird der omnipräsente Kauder so gut es geht ausgleichen. Auch darin hat er Übung.
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