Kommentar
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13.2.2005
Trauer und Versöhnung
Von Dieter Jepsen-Föge

Dresden trauert. Die große Mehrheit tut dies in Stille und Würde. Genau in diesen Stunden vor sechzig Jahren begann die Zerstörung des einstigen Elbflorenz durch britische Bomben. In der wieder aufgebauten Frauenkirche gedenken an diesem Abend die Überlebenden, Freunde und auch ehemalige Kriegsgegner, der Opfer. Die Frauenkirche ist ein Symbol für Frieden und Versöhnung und die Liebe zur eigenen Stadt geworden. Auch in den vergangenen Jahren wurde in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar getrauert und erinnert. An diesem besonderen Jahrestag mischt sich in Trauer und Gedenken die politische Diskussion über den Umgang mit denen, die die Ursachen des Bombenterrors, nämlich die Verbrechen des Nationalsozialismus, leugnen.

Nie zuvor ist die Kritik an der Bombardierung vieler deutscher Städte durch die Alliierten von Rechtsextremisten derart instrumentalisiert worden. Vom "Bomben-Holocaust" sprach die NPD im sächsischen Parlament und relativierte so die Verbrechen der Naziherrschaft, die Ermordung von Millionen europäischer Juden. Dieses Schlagwort und die Weigerung der NPD-Abgeordneten, am Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz der Opfer des Holocaust zu gedenken, hat nicht nur in Deutschland selber Empörung und Erschrecken ausgelöst. Auf seinem Staatsbesuch in Israel wurde Bundespräsident Horst Köhler mit Hinweis auf diese Ereignisse mit der Sorge vor neuem Antisemitismus konfrontiert.

Von diesen Stunden werden sowohl die Bilder des stillen Gedenkens, der weißen Rosen und der leuchtenden Kerzen vor der wieder aufgebauten Semperoper als auch der grölenden rechtsradikalen Demonstranten um die Welt gehen. Die große Mehrheit der Dresdner selber, ganz besonders die, die sich des Infernos vor 60 Jahren noch erinnern können, erteilten der Umdeutung der Geschichte und den Hasspredigern jedoch eine Absage. Sie demonstrierten, wie Trauer und Versöhnung zusammengehören. Aber auch wenn die Glocken dieser Nacht verhallt und alle Kerzen des Gedenkens abgebrannt sind, muss sich diese Gesellschaft mit den Ewig-Gestrigen, vor allem den Jungen unter ihnen, auseinandersetzen. Die demokratischen Parteien haben bereits zu viel Terrain an Extremisten von Rechts aber auch von Links preisgegeben.

Zu den Lehren der gescheiterten Weimarer Republik, der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, der Opfer der Kriege gehört die Erkenntnis, dass die Bundesrepublik Deutschland eine wehrhafte Demokratie sein muss. Ihre Instrumente sind politische Bildungsarbeit und zivilgesellschaftliches Engagement ebenso wie die Auseinandersetzung mit den Feinden der Demokratie.
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