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Kompass • Blicke in die Gesellschaft
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15.11.2004
"Seide oder Biber – Luxus oder Sonderangebot"
Bettwäschevorlieben
Von Frank Sandmann

Auch für Fantasy-Fans gibt es die passende Bettwäsche: Hier im "Herr der Ringe"-Design zu sehen. (Bild: AP-Archiv)
Auch für Fantasy-Fans gibt es die passende Bettwäsche: Hier im "Herr der Ringe"-Design zu sehen. (Bild: AP-Archiv)
Jede Nacht haben wir sie um uns, manche auch schon mal tagsüber, aber irgendwann auf jeden Fall ist sie da: unsere Bettwäsche. Ganz nah ist sie an uns dran und wenn man sich dann selbst beobachtet, dann fällt einem auf: Ja, es gibt sie. die Lieblingsbettwäsche! Wie sieht sie aus und warum sieht sie so aus, wie sie aussieht?

Kind: "Blume, und Pilze und das Sandmännchen. Ja… Das ist meine Lieblingsbettwäsche, weil die so schön ist und ich träum dann von Winnie Puh."

Aus dem Katalog des Otto-Versandes: "Sonderangebot. Sie sparen 50 %. Zweiteilige Bettwäsche-Garnitur :1 Kissenbezug 80/80 cm + 1 Bettbezug 1,35/ 2 Meter. Ein modisches Dessin in hochwertiger Qualität! Aus zart glänzendem MAKO-SATIN in zwei Farben. Auch in Übergröße 1,55/2,20 Meter erhältlich. Das passende Spannbettlaken in JERSEY (terrakotta und blau) bitte gleich mitbestellen. Reine Baumwolle. 60°-Maschinenwäsche."

Natascha Neumann: "Mein Name ist Natascha Neumann und ich bin Verkäuferin bei der Firma Betten Anthon und mache das bereits seit 18 Jahren.

Wir hatten auch in den vergangenen Jahren...ist immer stärker geworden die gelb, orange, kotta-Töne, so ein bisschen in die Landhausstil-Richtung gehend .warme Töne aber im Gegensatz dazu auch das Blau."

Frau I: "Die ist orange und die sieht aus, wenn man abends ins Bett geht, als wenn man in die Sonne rein geht. (lachen) Reine Baumwolle .jedes Mal, wenn ich sie gewaschen habe, wird sie ganz schnell wieder drauf gezogen, weil ich sie einfach liebe…."

Frau II: Das hängt ein bisschen von der Jahreszeit ab. Im Sommer habe ich mehr so was Samtiges, Satinmäßiges in meinem Bett und im Winter mehr so was Kuscheliges, Bibermäßiges. Rot oder blau. Rot ist eher, wenn ich das Gefühl habe, es kann was passieren, und blau ist eher die entspannte Farbe."

Sibylle Berg, "Herrengeschichten": "Dieser Mensch war für mich, es war mein Mensch, wir saßen auf dem Fußboden, im Regen, und sahen uns an. Ich sie, sie mich, ich sah, wie mein Leben wäre mit ihr, im Bett liegen sah ich uns, an verregneten Sonntagen, sah uns lachen, uns tragen, sah uns alt werden und wusste, es würde nur die eine geben."

Mann I: "Das Thema Bettwäsche erinnert mich sofort an eine tiefgehende Erfahrung ich war mal in London und habe eine so zauberhafte weinrote Seidenbettwäsche gesehen und war mit meiner Frau unterwegs und die sagte: "Das ist zu teuer, das kaufen wir dann nicht". Und dann sagte sie: "Das könnten wir ja selber nähen " Und da bin ich zum KDW gegangen und habe nachgekuckt. Es gibt überhaupt keinen Stoff in der Breite. Zwei Meter, also, das müsste man schon zusammen frickeln. Und dann war ich ernsthaft versucht, zu den günstigen Preisen noch mal nach London zu fliegen, um im Liberty's diese Bettwäsche zu erstehen, die tatsächlich sündhaft teuer, aber auch sündhaft schön war."

Frau III: "Baumwolle was anderes ist ekelhaft…(lacht). Ich hasse Glitschbettwäsche, weil das ist ein fieses Gefühl auf der Haut. Bettwäsche, das hat was mit Baumwolle, Batist, mit einem bestimmten Duft zu tun, in den man rein steigen muss, und da geht Glitsch gar nicht. So was lassen sich nur Männer einfallen, weil Männer so sind, ich weiß es nicht, das scheint irgendwie bei denen Signalwirkung zu haben… Auf jeden Fall finde ich das ziemlich schaurig. Vor allen Dingen, es gibt sie immer nur in scheußlichen Farben, es gibt sie in Schwarz, in Gelb, in Rot oder womöglich Lila. Das spricht mich nicht so an…

Mann I: " Es ist wie ein Dorn im Fleisch, dass ich sie nicht habe. Jede Nacht fällt ab gegen das, was eine Nacht in dieser Bettwäsche sein könnte und das zieht sich jetzt schon zwei Jahre so hin. Ich weiß nicht, wann sich das bessert."

Frau III: "(lacht) Ich habe mir gerade eine Neue gekauft, die ich sehr charmant finde. Die hat unten blaue Karos und oben eine Reihe Krönchen. Klingt ein bisschen bescheuert, aber die sieht irgendwie total nett aus, die sieht aus wie in einem Kinderbuch gemalt, wie die von dem kleinen König Kallewirsch, 'ne Figur aus 'nem Kinderbuch. Also ich heiße Petra und bin 39."

Natascha Neumann: "Das ist sicherlich an die Jahreszeiten gebunden, dass wir im Sommer mehr Satinbettwäsche verkaufen und im Winter mehr Jerseybettwäsche. Ich muss sagen, bei uns im Fachhandel generell ist die Biberbettwäsche sehr wenig geworden, weil zum einen die Haltbarkeit oftmals nicht so gut ist die geht doch im Laufe der Jahre schneller kaputt als ne Jersey-Bettwäsche und das liegt daran, dass der Faden künstlich aufgeraut und damit angeschnitten wird, was bei der Jerseybettwäsche nicht der Fall ist."

"Pflegehinweis Leinen. 60°-C-Wäsche; nicht schleudern. Verwenden Sie nur Waschmittel ohne optische Aufheller. Geben Sie Produkte aus Leinen nicht in den Trockner. Weißes Leinen bleibt strahlend weiß, wenn Sie es in der Sonne trocknen. Reines Leinen sollte - noch leicht feucht - sehr heiß gebügelt werden."

Mann II: "Ich heiße Patrick, bin 25 Jahre alt und meine Lieblingsbettwäsche ist leicht angeraut. Es ist keine glatte Bettwäsche und sie ist natürlich besonders liebenswert, wenn sie frisch gewaschen ist. Die ist blau weiß Ja, aber sie riecht nicht so gut wie bei meiner Mutter damals, bei weitem nicht. Das liegt daran, dass sie wahrscheinlich einen Trockner hat und ich nicht und sie die noch gebügelt hat und anderes Waschmittel benutzt hat als ich, also teureres wahrscheinlich." (lacht)

Mann III: "Ja, ich mag Bettwäsche aus Seide. Aus Seide, weil Bettwäsche aus Seide ist immer so glatt und habe immer den Eindruck, dass ich aus dem Bett raus fließen kann. Bettwäsche sollte weinrot sein, es ist eine wunderschöne Farbe und erregt zum Sex."

Natascha Neumann: "Die Glanzsatins, Hochglanzsatins, ja das ist ein Polyester-Gemisch, manchmal noch mit Viscosen. Da war es eben ja sehr gewünscht, dass es möglichst hochglänzend ist. Das war einfach mal ein Trend, aber der hat nicht besonders lange angehalten. Zum einen deswegen, weil die Laken wurden in der gleichen Art und Weise gemacht, was dann zur Folge hat, dass die Bettdecke in der Nacht häufig aus dem Bett rausgerutscht ist und auch dass sich die Decke, die sich in der Bettwäsche befindet, manchmal in den Fußbereich begeben hat."

Annegret Held, "Das Zimmermädchen": "Mein Gott. Was war hier passiert? Beide Betten aufgeschlagen, was heißt aufgeschlagen, eine Decke lag auf dem Boden, die Laken waren von den Matratzen gerutscht, die Laken beschmutzt. Die Handtücher konnte ich gleich alle wechseln, die Bettwäsche auch. Ich brauchte genau so lange, um mich zu fassen, wie ich brauchte, das Zimmer wieder herzurichten und rückzuverwandeln in friesische, saubere schlafende Nachmittags-Pensions-Stille."

Hotelfachfrau: "Ich bin Claudia Hart und bin hier im Ritz Carlton Berlin am Potsdamer Platz im Hause für die Presse - und Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Also bei uns im Hause sind generell cremefarbene Bezüge, die sind also im wollweißen Bereich angesiedelt, die durchziehen das ganze Haus in allen Zimmern und Suiten. Selbstverständlich blau mag eine persönliche Favoritenfarbe sein, aber die haben wir leider hier nicht im Hause, würden sie natürlich auf Wunsch selbstverständlich besorgen - Möglichkeiten gibt es immer, aber das klassische creme ist hier eigentlich vorherrschend in Abstimmung auch mit dem Stil und dem Ambiente.

Das war eine kleine Überraschung. Der Gast reist sehr viel in der Welt umher und wir haben uns überlegt, ihm 'ne besondere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen und haben halt Bettwäsche mit seinen Initialen besticken lassen und haben sie ihm zum Geburtstag überreicht. Er hat sich wahnsinnig über diese Aufmerksamkeit gefreut, denn wir wussten, wie sehr er das mag. Es gibt viele Gäste, die sehr begeistert sind von unserer Bettenpräsentation und wir sind immer sehr aufmerksam, was sagt der Gast während seines Aufenthaltes und dann kann man natürlich auch schöne kleine Überraschungen zu Jubiläen oder Geburtstagen machen."

Monika Maron, "Animal Triste": "Nachdem mein Geliebter mich verlassen hatte, zog ich das Bettzeug ab, in dem wir zum letzten Mal miteinander gelegen hatten, und verwahrte es ungewaschen im Schrank. Manchmal nehme ich es heraus und ziehe es auf, wobei ich darauf achte, dass kein Haar und keine Hautschuppe meines Geliebten verloren geht. Der Bezug ist mit großen, in kräftigem Rot, Grün und Lila gehaltenen Blumen bedruckt, die mich an die Blüten fleischfressender Pflanzen erinnern."

Mann IV: "Also, Biberbettwäsche finde ich abartig, es ist ungemütlich es ist so ein fester Stoff, also zum Schlafen finde ich's nicht geeignet, ich mag's halt nicht so warm. Wenn's zu warm ist, kann ich wieder nicht schlafen."

Frau IV (seine Freundin): "Verstehe ich nicht... Also, Biber gerade im Winter - kuschelig warm ist so eher meine Sache. Er schläft eben mit dünnen Decken, ich eher mit dicken. Also ich mag's eher immer so'n bisschen gröber, was Bettwäsche angeht.

Nee, wir haben einfach kein Biber. Da musste ich mich unterdrücken lassen. Wir haben dann eher Satin und Leinen. Also ich zieh dann eher was Dickes an, das ist dann für ihn der Nachteil". (lacht)

Natascha Neumann: "Also, so vor gut 10 Jahren war eine sehr stark grafische Welle diese Bauhausrichtung, die sehr gradlinig, plakativ war und jetzt geht es doch mehr in die weicheren Formen rein, also eben auch ins Blumige. Und ich glaube, das hat auch was mit dem Wunsch nach was weichem, Harmonischerem zu tun hat. Ich mein, die Gesellschaft wandelt sich ja doch zu mehr, ja, Härte und dass man da sich versucht, zu Hause was anderes zu schaffen, was Harmonischeres, dass es nicht ganz so hart und gradlinig mehr sein soll. Das sieht man doch mehr so an den Mustern, die einfach weicher werden."
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