Kompass
Kompass • Blicke in die Gesellschaft
Montag bis Freitag • 14:40
23.2.2005
"Meistens passiert aber nicht viel, wenn ich das esse!"
Essgewohnheiten
Von Anette Schneider

Hier ist nur die Pasta essbar, nicht das Geschirr (Bild: AP Archiv)
Hier ist nur die Pasta essbar, nicht das Geschirr (Bild: AP Archiv)
Der eine isst gar nichts am morgen, der andere kann nicht ohne Brötchen aus dem Haus. Eine lässt sich Pizza ins Haus bringen, die andere kocht jeden Abend, andere bevorzugen Roggenbrot. Jeder hat seine eigenen Essgewohnheiten.

1. Frau: "Ich fang an mit heißem Wasser..."

2. Frau: "Mmmmm!"

1. Frau: "...Ich könnte nicht wach werden, aus dem Bett aussteigen und sagen: Jetzt esse ich was!"

Mann: "Ich weiß aus der Urgeschichte der Menschheit,..."

2. Frau: "Ohne einen vollen Magen oder einen angefüllten Magen bin ich nicht in der Lage, hier richtig voll fit bei der Arbeit zu erscheinen. Dann fühle ich mich schlapp. Deswegen muss morgens wenigstens ein Brötchen sein."

1. Frau: "Was ich wirklich brauche, ist morgens mein heißes Wasser..."

Mann: "Ich weiß aus der Urgeschichte der Menschheit, dass früher nur kalt gegessen wurde."

1. Frau: "... Und das reicht mir. Und es fehlt mir auch nichts. Und ich hab auch kein Hunger oder so."

Stimme: "Die Esskultur ist in sich ja ungeheuer differenziert."

3. Frau: "Wir haben nun drei Kinder. Und die Esskultur hat sich gewandelt, seit dem die drei da sind, weil: wir können die Mahlzeiten nicht mehr so genießen, wie das früher mal war. Es ist oft mit Anstrengung verbunden. Wenn wir alle fünf zusammen sind, dann ist es im Moment überwiegend laut und unruhig."

1. Frau: "Frühstücken tu ich eigentlich nur im Urlaub. Und dann mit Genuss. Die Brötchen werden auch nicht aufgeschnitten, so Oberteil, Unterteil. Sondern die werden gebröselt. Da wird so ein Stück abgebrochen, und dann ein bisschen Butter, ein bisschen Honig. Ein schönes Stück Käse, oh! Und dann stundenlang, 'ne?"

2. Frau: "Ein Brötchen. Eine Hälfte mit Käse. Und die andere Hälfte mit Marmelade. Dazu zwei Tässchen Kaffee... "

4. Frau: "Im Stehen."

2. Frau: "... Das mache ich im Sitzen. So viel Zeit muss sein. Da das ja trotzdem nur wenige Minuten dauert, brauche ich dazu keine Zeitung."

Mann: "Ich weiß aus der Urgeschichte der Menschheit…"

4. Frau: "Ich gönne mir ein Frühstück - allerdings im Stehen..."

1. Frau: "Und vielleicht auch mit der Kerze auf dem Tisch, die das dann beleuchtet."

Manchmal reicht auch einfach ein trockenes Brötchen... (Bild: AP Archiv)
Manchmal reicht auch einfach ein trockenes Brötchen... (Bild: AP Archiv)
4. Frau: "... Ich esse ein Vollkornbrötchen und trink 'ne Tasse Kaffee, aber das eben im Laufen sozusagen, in der Wohnung. Zwischendurch erledige ich noch irgendwelche Dinge. Aber ich setze mich nicht richtig hin und hab' nicht so die Ruhe und les' auch keine Zeitung dabei."

Mann: "Bin ich auf dem Weg zur Arbeit, dann geht es "happs, happs, happs", zwei Scheiben Brot, ein Glas mit Kräutertee und fertig ist das Frühstück."

3. Frau: "Man müsste ja morgens einfach eine halbe Stunde früher aufstehen, um sich gemütlich noch mal an den Tisch zu setzen - und da schlaf ich lieber." (lacht)

1. Frau: "Frühstück war bei mir immer ein Problemfall... Ich habe morgens keine Spucke im Mund. Und ich kann immer noch nicht gut frühstücken. "

3. Frau: "Eine Tasse Tee und ein Glas Wasser. Und das Brot wird dann in der Regel mitgenommen und hier dann morgens - oder in der Bahn - gegessen."

Mann: "Dann wird's schön! Auf der Arbeit ist ein Kollege, der hat dann den ersten Kaffee für mich vorbereitet. Der wird dann genossen..."

3. Frau: "Mittags in der Kantine..."

Mann: "Ich gehöre nicht zu den Menschen, die behaupten, einmal am Tag "warm" muss der Mensch haben. Ich weiß aus der Urgeschichte der Menschheit, dass früher nur kalt gegessen wurde."

4. Frau: "Ein Mittag hier in der Kantine - auch nicht so toll!"

3. Frau: "Mittags in der Kantine, das Essen kann ich eigentlich meistens genießen. Gut, obwohl Kantinenessen, das kann ja sehr unterschiedlich sein, aber ich finde es in Ordnung."

1. Frau: "Also dieses mit reinhauen und Ellenbogen auf dem Tisch ist sowieso das schlimmste, finde ich. Da vergeht mir der Appetit. Auch in der Kantine. Wenn man manchmal Leute sieht, wie die so mit Essen umgehen. Deshalb gehe ich auch nicht gern in die Kantine."

Mann: "Mittagessen habe ich zwei Stellen, an denen ich weiß, dass ich guten Salat kriegen kann. Einmal 'ne Stelle, bei der hole ich mir den Salat selbst zusammengestellt am Buffet mit ins Büro, wenn ich wenig Zeit hab' zum Mittagessen, und esse diesen dann neben der Arbeit."

4. Frau: "Ein Mittag in der Kantine - auch nicht so toll!"

2. Frau: "Ganz ehrlich? (lacht) Also ab und zu mal so McDo, so ein Cheeseburger, oder bei der Konkurrenz, bei Burger-King mal so ein saftiger Whopper - das ist okay. Obwohl das manchmal ja etwas schwierig ist, gerade die etwas größeren labbrigen Dinger - da entgleitet einem ja auch mal so diverses. Und äh, ja..."

Der Döner ist zum beliebtesten Imbiss der Deutschen geworden. (Bild: AP Archiv)
Der Döner ist zum beliebtesten Imbiss der Deutschen geworden. (Bild: AP Archiv)
Auszug aus Ali, "Alles Döner oder was?!": Pass auf, ich nehm 'n Fladenbrot und so und mach' das auf usw. und dann kommt Salat rein usw., ja? Ich mach' bisschen Salat zu, dann mach' ich Fleisch, dann kommt Sauce weiß, dann kommt Sauce rot, dann kommt oben noch schön drauf Pulver rot scharf für die Zunge und dann mach' ich schön fettig usw. und mach' heiß und dann kriegst du in Hand und …"

2. Frau: "Und das so richtig schön matschig zusammengepappt... Mmmm!"

4. Frau: "Also ich habe nie irgendwie ohne Sport gelebt. Es ist schon so, dass der Sport die Auswahl der Nahrungsmittel auch ein bisschen mit dirigiert, weil man witzigerweise als Sportler viel mehr Hunger auf Kohlenhydrate-Nahrungsmittel hat. Das merkt man, wenn man zum Beispiel anfängt, einen Ausdauersport zu machen."

1. Frau: "Ich fang an mit heißem Wasser..."

2. Frau: "Mmmm!"

4. Frau: "... So ging mir das auf jeden Fall. Dass ich automatisch viel lieber Vollkornprodukte gegessen habe, viel lieber Nudeln und Reis und Kartoffeln und Obst als andere Sachen."

Mann: "Ich weiß aus der Urgeschichte…"

4. Frau: "In der Marathonvorbereitung bei mir war das immer so, dass ich unbändigen Hunger habe. Also zwölf Wochen Vorbereitung heißt ganz, ganz viel Essen, weil ich sonst auch zu viel Gewicht verliere. Ich esse Unmengen, ich esse fünf Mal am Tag oder den ganzen Tag irgendwie, hab' ich manchmal das Gefühl."

Ali: "Und dann kannst du Maffel-Maffel machen und…"

2. Frau: "Im Idealfall kriegt man das unfallfrei rein, ohne große Verluste. Es kann aber auch passieren, dass sich Teile von diesen Schichten hinten raus schieben und dann leckt auch der Belag runter, da muss man aufpassen, dass das nicht in den Ärmel tropft. Also es ist immer angezeigt, diese Verpackung so geschickt drunter zu plazieren, dass die Teile dann da rein fallen, damit man sie dann eventuell noch mit der Hand nachschieben kann."

Mann: "Dann hol ich mir 'nen Laugenbretzel mit möglichst viel Salz. Da bestehe ich drauf. Oder je nach meiner Appetitlage kann es auch das Gegenteil werden, nämlich ein riesiger Streuseltaler, das ist dann also eine für die Pankreas absolut kräftige Herausforderung. Das endet immer mit Sodbrennen. Aber im Augenblick ist es das köstlichste, was ich mir dann antun kann."

Ein Bremer Jugendlicher isst vor einer Mc Donald's-Filiale Fast Food (Bild: AP Archiv)
Ein Bremer Jugendlicher isst vor einer Mc Donald's-Filiale Fast Food (Bild: AP Archiv)
2. Frau: "Bei ganz schwierigen Sachen kann das dann auch schon mal sein, dass der Mundwinkel einreißt - aber das kann man ja auch dadurch vermeiden, dass man nicht in alle Schichten gleichzeitig reinbeißt. Na ja, der geübte McDo-Esser hat da schon so seine Vorsichtsmaßnahmen! Meistens passiert aber nicht viel, wenn ich das esse."

1. Frau: "Ich bin ja kein Fleischesser. Und Fisch mag ich eigentlich auch nicht."

Mann: "Ich weiß aus der Urgeschichte der Menschheit …"

1. Frau: "Aber man muss ja Eiweiß essen. Und manchmal kommt es dann vor, dass ich in der Stadt bin und denk..."

Mann: "Happs, happs, happs."

1. Frau: "... Ach ja! Und dann: Fischbratküche. Und da gibt es dann eben "Fish and Chips" - und ist ja nicht billig aber es ist richtig lecker. Ja, und das nehme ich mir dann und dann butscher ich so ein bisschen damit und guck schön in die Geschäfte. Und das ist genauso schön, als wenn ich mir das mache."

2. Frau: "Das war keine Realsatire, so mache ich das wirklich, so spielt sich das ab! Gerade bei diesen Burgern darf man nicht unbedacht zur Sache gehen, das muss man sich vorher gut überlegen, sonst saut man sich ein!"

5. Frau: "Es gibt mindestens immer eine Mahlzeit und das ist Abends, da wird gekocht..."

4. Frau: "Ich koche ungern!"

5. Frau: "... Zum einen ist es mir wichtig, dass meine Tochter es mitkriegt, dass gekocht wird, und dass es normal ist. Man kann ja auch mal was für zwei oder drei Tage kochen, dass man nicht wirklich jeden Tag was kocht. Und dann hat das durchaus auch gesundheitliche Gründe. Denn wenn gekocht wird, dann weiß ich, was drin ist."

Mann: "Ich weiß aus der Urgeschichte der Menschheit, dass früher nur kalt gegessen wurde."

4. Frau: "Ich koche ungern! Mein gewohntestes Abendessen besteht aus Vollkornbrot oder Brötchen und ganz viel Obst. Also richtig Berge von Obst. Und das esse ich dann ganz in Ruhe und entspannt nacheinander auf."

1. Frau: "Ich mach es gerne - wenn ich mich dann überwinde und mir sage: "So, jetzt kochst du dir mal was!" Dann ist das richtig schön. Und dann steht da die Pfanne. Und da überleg ich mir irgendetwas..."

2. Frau: "Belegte Brote."

1. Frau: "... Ich hab immer Zwiebeln da. Meistens fange ich damit an. Natürlich erst einmal ein bisschen Fett und Sonnenblumenkerne und Zwiebeln und dann das, was da ist. Vielleicht Tomaten oder Paprika. Und dann manchmal auch, dass ich mir 'ne Flasche Wein dazu aufmache und dass dann richtig genieße. Und dann hat auch kein anderer Platz. Dann kommt es vor, dass ich das Telefon abschalte. Dann bin ich selbst dran."

5. Frau: "Meine Tochter mag am liebsten Spaghetti in jeder Variation. Und immer phasenweise auch mal, dass ich dann einen Rappel kriege und gerne etwas ganz Neues ausprobiere..."

1. Frau: "Mit heißem Wasser..."

5. Frau: "... Zum Beispiel habe ich vor einigen Monaten entdeckt: Kokosmilch. Und wie toll das ist, wenn man Sachen mit Kokosmilch zubereitet. Mit wechselndem Erfolg natürlich. Weil zum Beispiel Tofu hab ich meiner Familie nicht schmackhaft machen können. Obwohl ich immer wieder heimlich das versteckt habe, aber das wurde doch immer aufgedeckt - erbarmungslos!"

Mann: "Grundsätzlich ist Kochen für mich ziemlich aufwendig, weil es erforderlich macht, mehrere Dinge gleichzeitig zu koordinieren und das ist für mich schon 'ne Konzentrationsfrage."

4. Frau: "Also ich kann schon kochen. Ich hab' früher auch mehr gekocht. Ich hab halt hier keine Geschirrspülmaschine, und das nervt mich dann. Dann dauert das noch mal so lange wie das Kochen, bis ich die Küche wieder in Ordnung hab, und muss alles abwaschen. Und der Aufwand ist mir dann zu groß."

Vorbereitung von Fleischspießen (Bild: AP)
Vorbereitung von Fleischspießen (Bild: AP)
1. Frau: "Also das dauert nie länger als 'ne halbe Stunde. Ich glaube, ich verarbeite da auch viel. Ich glaub', dass ich da vieles mit verbrutzel, was mich der ganze Tag so an Nerven und an Stress und an Huddel und an Scheiße gekostet hat! (lacht) Und wenn du dann da sitzt, und dein Wein und dein Wasser - also, das muss auch sein, ne, ein Glas Wein und ein Glas Wasser dazu - und irgendwie Messer und Gabel ..."

Mann: "Das ist für mich schon 'ne Konzentrationsfrage."

1. Frau: "...Das ist dann richtig schön. Das tut gut. Dann kommt Entspannung."

3. Frau: "Es ist oft mit Anstrengung verbunden. Wenn wir alle fünf zusammen sind, besonders abends, dann ist es im Moment überwiegend laut und unruhig."

Mann: "Ja dann wird's lustig. Dann holen wir uns diesen Stapel mit den Essenservices und suchen uns die Richtung aus und dann wird telefoniert - und dann kommt das. Dann wird richtig Döner, Pizza, diese ganzen Geschichten. Auch ein Chinese manchmal, der kommt dann allerdings pappig an. Aber der Hunger ist dann so groß..."

1. Frau: "Meistens vor dem Fernseher, muss ich gestehen. Weil dann bin ich nicht alleine. Also es ist durchaus so, dass das Fernsehen dann das Zweitrangige ist. Das wird 'ne Person dann. Dann geht es eigentlich hauptsächlich ums Essen."

5. Frau: "In der Regel essen wir zusammen. Das ist mir wichtig. Weil man zusammen ist, und ich weiß zum Beispiel bei meiner Tochter, da muss eine gewisse Muße da sein, dass sie auch mal etwas erzählt..."

3. Frau: "Einfach zu hören, wie der Tag war... Das kommt jetzt alles zu kurz!"

5. Frau: "... Man kommt wirklich ins Gespräch. Man muss auch hinterher dann nicht direkt raus springen, sondern man kann dann noch ein bisschen sitzen bleiben und man erfährt, was der andere gemacht hat am Tag. Und das finde ich ganz wichtig. Auch, dass man nicht so in Hektik isst, sondern sich dann auch Zeit lässt."

2. Frau: "Wenn ich Besuch bekomme, dann stehe ich gerne mal den ganzen Tag in der Küche, schneide klein und koche. Dann gibt es einen in der Regel ziemlich großen bunten Salat. Und ich habe einen Riesenhaufen Rezepte, und die werden dann ein paar Tage vor dem angekündigten Besuch in Ruhe durchgekuckt. Und worauf ich dann gerade Appetit habe und was ich länger nicht gemacht habe, das ist dann dran..."

1. Frau: "Ich fang an mit heißem Wasser..."

2. Frau: "... Das macht dann auch mal Spaß. Aber jeden Tag würde ich das nicht machen wollen, das ist einfach auch so ein Zeitfaktor. Und dann musst du ja auch einkaufen... Also im Alltag eher nicht so aufwändig - aber wenn Besuch kommt, dann auch gerne mal richtig!"

1. Frau: "Wenn ich bei mir was mache: Ich bin dann so eine Gastgeberin. Ich kümmer mich dann: "Hast du auch noch davon, hast du auch noch davon... Willst du noch Reis? Willst du noch Kartoffeln? Soll ich mal eben das holen? Das holen?" Ich selbst esse gar nicht. Nee, da hab' ich überhaupt nichts von."

4. Frau: "Überhaupt koche ich nicht gern! Und deswegen: wenn ich so richtig viel Besuch habe, lade ich die meistens zum Brunch ein, weil das einfach leichter zu bewerkstelligen ist. Und weil ich das auch sehr gemütlich finde. Und dann hab ich das eigentlich so ganz gut vorbereitet, dass das für mich kein Stress ist und das ist gemütlich dann."

Mann: "Ich weiß aus der Urgeschichte der Menschheit …"

2. Frau: "Dann quatscht man natürlich ohne Ende und das Essen zieht sich auch ewig hin. Das nimmt dann ja auch gerne einen Großteil des Abends ein, weil es ja auch noch einen Nachtisch gibt und so weiter. Ja, das ist praktisch das Vehikel, um sich mal wieder richtig auszuquatschen.

1. Frau: "Und vielleicht auch mit der Kerze auf dem Tisch, die das dann beleuchtet."

Mann: "Ich weiß aus der Urgeschichte der Menschheit, dass früher …"

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