KopfNuss
KopfNuss
Montag bis Freitag • 10:10
9.8.2004
Hörerfrage
Warum kann man aus dem Schwalbenflug das Wetter ablesen?
Von Gerrit Stratmann

Wenn die Schwalben niedrig fliegen, werden wir bald Regen kriegen.
Fliegen sie bis in die Höh´n, bleibt das Wetter weiter schön.


An dieser Bauernregel ist was dran. Aber nicht weil die Schwalben tatsächlich wüssten wie das Wetter wird, sondern weil sie ihre Flughöhe ihrem Nahrungsangebot anpassen - und das fliegt bei gutem Wetter höher als bei schlechtem.

Schwalben ernähren sich von kleinen Insekten, die sie im Flug aus der Luft fangen, dem so genannten Luft- oder Aeroplankton. Und dieses Lufttreibgut kann seine Flughöhe nicht immer selbst bestimmen. Bei schönem Wetter wird es durch aufsteigende warme Luftmassen in höhere Luftschichten getragen. Dorthin folgt ihm auch die Schwalbe oder andere Vögel wie der Mauersegler, der die Insekten noch in über 3000 Meter Höhe einsammelt.

Ohne diese Aufwinde halten die Insekten sich in deutlich niedrigerer Flughöhe in Bodennähe auf. Deswegen müssen Schwalben bei Bewölkung tiefer fliegen, um sie aufzuschnappen. Eigentlich sind also gar nicht die Vögel wetterfühlig, sondern die Insekten.

All zu sehr sollte man die Bauernregel aber nicht strapazieren, denn natürlich muss es nicht zwangsläufig schlechtes Wetter geben, nur weil die Schwalben Insekten in Bodennähe jagen. Das kann einfach tageszeitbedingt sein: früh morgens gibt es auch bei schönem Wetter kaum Aufwinde, die die Insekten nach oben tragen würden. Um diese Zeit werden die Schwalben also in Bodennähe auf Futtersuche sein. Erst im Laufe des Vormittags kann die Thermik unter Sonneneinfluss ihre Wirkung entfalten und die Insekten in höhere Luftschichten tragen. Dann werden die Vögel auch weiter oben noch etwas zu fressen finden.
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