KopfNuss
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1.10.2004
O-Ton-Rätsel
Von Kim Kindermann

Bis zur Eröffnung 1975 dauerten die Bauarbeiten sieben Jahre zu diesem als Jahrhundertbauwerk gefeierten drei Kilometer langen neuen Elbtunnel, der die Elbe zwischen den Hamburger Stadtteilen Othmarschen und Waltershof unterquert. Neu deshalb, weil es bereits den 1911 in Betrieb genommen alten Elbtunnel gab, der allerdings hauptsächlich für Fußgänger konzipiert worden war.

Anders war und ist das mit dem neuen Elbtunnel: Dieser wurde ausschließlich als Verlängerung der Bundesautobahn A7 für Autos gebaut. Das war auch dringend nötig, denn bereits Mitte der 60er Jahre drohte die Hamburger Innenstadt unter dem schon damals heftigen Verkehraufkommen zusammenzubrechen. Sämtliche Kraftfahrzeuge, die sich auf der Nord-Süd-Achse bewegten, mussten ihren Weg mitten durch die Stadt nehmen - ein Ärgernis für die Hamburger wie auch für die Reisenden selbst. Der neue Tunnel sollte Abhilfe schaffen und den Verkehr aus der Stadt herausnehmen - endlich sollte Schluss sein mit dem Nadelöhr des Nordens!

Mit drei Röhren und insgesamt sechs Fahrspuren, hoffte man dem wachsenden Verkehrsaufkommen gerecht zu werden. Allerdings mussten die Hamburger während der Bauzeit allerlei Strapazen auf sich nehmen: Verkehrsumleitungen und Staus waren nur das eine Übel, um vieles schlimmer war es für zahlreiche Anlieger, die ihre aufgrund der Arbeiten einsturzgefährdeten Häuser verlassen mussten. Denn um die damals längste Unterwasserstrasse Europas zu bauen, wurden unter den Fluss riesige Senkkästen aus Beton eingelassen und unter dem Elbhang fraß sich - einem Maulwurf gleich - ein riesiges Schneiderad im so genannten Schildvortriebsverfahren durch die tiefen Erd- und Gesteinsschichten.

Dort wo später der Tunnel laufen sollte, wurde die Elbe monatelang mit 230 Meter langen Stahlwänden gestaut, um so ein künstliches Hafenbecken zu schaffen, in dem anschließend 20 Meter unter der Wasseroberfläche die Senkkästen, 25 gigantische Tunnelelemente aus Stahl und Beton, die die Fahrbahnröhren enthielten, versenkt und verankert wurden. Jedes Element war 132 Meter lang, 42 Meter breit und acht Meter hoch. Ein hochkompliziertes Verfahren, es wurde hauptsächlich unter Wasser gebaut, zwei Arbeiter ließen dabei ihr Leben. Der neue Elbtunnel war ein teures Projekt. Jeder laufende Meter kostete 100.000 Mark.

Als der Elbtunnel am 10.1.1975 feierlich eröffnet wurde, hatte er mehr als eine Milliarde Mark gekostet. Die Hoffnung, mit dem Elbtunnel ein für allemal des Verkehrsaufkommens Herr geworden zu sein, erwies sich schon wenig später als Trugschluss: Staus wurden mehr und mehr zur Regel, denn anders als erwartet, nutzen nicht 65.000 Fahrzeuge täglich den Tunnel, sondern fast doppelt so viele. 1997 begangen daher die Bauarbeiten zu einer vierten Röhre, die schließlich 2002 eröffnet wurde.
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