KopfNuss
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5.10.2004
Redewendungen
Von Georg Gruber und Ingo Kottkamp

Es beginnt damit, dass einer schnell über den Platz hinwegläuft.

Ein Rollschuhläufer flitzt über die Szene.

Ein Teppichhändler überquert den Platz.

Fast zeitgleich mit ihm eilt ein örtlicher Geschäftsmann vorbei.

In Peter Handkes Theaterstück "Die Stunde, da wir nichts voneinander wussten" ist die Hauptfigur - ein Platz. Es geht um nichts anderes als um die Leute, die ihn durchqueren und wieder verschwinden.

Bunt zusammengewürfeltes Volk.

So dieser und jener.

Szenenwechsel: der Ursprung der heute gesuchten Redewendung liegt in biblischer Zeit.

Ein Teil des Hofstaats von König David ist seine Leibwache. Sie besteht aus Söldnern, und der Name der Leibwache deutet auf die Gegenden hin, aus der viele dieser Söldner stammen.

Eine davon ist eine griechische Insel.

Viel mehr erfahren wir nicht über König Davids Leibwache. Man bräuchte eigentlich nicht groß über sie nachzudenken.

Aber ihr Name, besonders so, wie Martin Luther ihn übersetzt hat, klingt irgendwie einprägsam.

Und außerdem steht er in der Bibel - und weil die früher unzählige Male gelesen wurde, wurde aus dem Namen der Söldner ein geflügeltes Wort.

Das aber nicht für Söldner steht und auch nicht für Gastarbeiter, sondern für

einen Platzwart

einen heiteren Ahnungslosen

einen Greis

eine Schönheit

einen Schlangesteher

einen Krückengänger

einen Fingerschnipser

einen Straßenmusiker

einen fahrenden Gesellen

... und wer sonst noch so über einen Platz spaziert.

Eine gemischte Gesellschaft also.

Mit der man aber häufig nichts zu tun haben will.

Denn meistens wird die Redewendung abschätzig gebraucht - im Sinne von "gemeiner Pöbel".

Man mokiert sich über solche Leute, wenn es einem auf einer Gesellschaft nicht fein genug ist.

Man zeigt mit dem Finger auf sie - aber selber will man nicht dazu gezählt werden.

Ich einer von denen? Das lass ich mir nicht anhängen. Da könnte ja jeder kommen.
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