KopfNuss
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30.9.2004
Harte Nuss
Gesucht wird ...
Von Susanne Billig

In einer Hafenstadt Siziliens wurde er geboren und dort verbrachte er auch die meiste Zeit seines Lebens. Sein Vater war Astronom und ließ ihn in der ägyptischen Stadt Alexandria studieren, dem Zentrum der griechischen Kultur. Zurück zu Hause widmete er sein Leben der Forschung. Seine ursprünglichen Schriften gingen leider verloren. Dennoch gibt es keinen Zweifel: Dieser Forscher hat Bahnbrechendes geleistet.

Vor über 2000 Jahren entdeckte er Formeln zur Volumen- und Oberflächenberechnung gekrümmter Körper und erfand die Grundlagen der Integral- und der Logarithmusrechnung. Er lehrte die Berechnung von Quadratwurzeln und bestimmte erstmals die Zahl pi.

Damals glaubten seine Zeitgenossen, die Zahl der Sandkörner auf der Erde müsse unendlich sein. Mit Leichtigkeit bewies er das Gegenteil: Er erfand ein neues Zahlensystem, mit dem sich Riesenzahlen formulieren ließen - viel größer, als es je Sandkörner geben konnte. Niemand hat seine Arbeit schöner beschrieben als der griechische Schriftsteller Plutarch:

In der gesamten Geometrie lassen sich keine anspruchsvolleren Fragen finden - und keine hellsichtigeren Erklärungen. Einige schreiben dies seinem Genie zu, während andere sagen, dass nur viel Arbeit solch mühelos und einfach erscheinende Ergebnisse hervorbringen konnte.

Noch heute wird seine komplizierte Wasserschraube in armen Gegenden Ägyptens zur Bewässerung von Feldern eingesetzt.
Und wenn wir einen Flaschenöffner benutzen - oder einen Nussknacker - dann machen wir von seiner Erfindung des Hebels Gebrauch, einem Meilenstein in der Geschichte der Physik. Auch einen Flaschenzug soll er gebaut haben. Plutarch berichtet, was er damit vollbrachte:

Er brachte das Gerät an einem Schiff des Königs an, das nur mit vielen Männern aus dem Hafen bewegt werden konnte. Er belud es mit zahlreichen Passieren und voller Last, während er selbst weitab saß und das Schiff ohne große Mühe mit einer Hand so leicht aus dem Hafen herauszog, als bewegte es sich auf offener See.

Als seine Stadt von den Römern belagert wurde, soll er die Angreifer mit schrecklichen Kriegsmaschinen zurückgehalten haben. Da gab es Hebelarme, die Blei und Steine auf den Feind regnen ließen. Ein Riesengreifer packte die feindlichen Boote und riss sie in Stücke. Brenngläser bündelten die Sonnenstrahlen und ließen die Gegner in Flammen aufgehen.

Nichts als Legenden, meinen Historiker. Kaum einem Forscher dichtete die Nachwelt so viele Märchen an wie ihm. Plutarch trug etliche davon zusammen.

Oft brachten seine Diener ihn gegen seinen Willen ins Bad, um ihn zu waschen und einzuölen. Doch während sie das taten, malten seine Finger Linien auf seinen nackten Körper, in solche Trance trug ihn das Studium der Geometrie.

In der Badewanne soll ihm auch aufgegangen sein, wie er beweisen konnte, ob die Krone des sizilianischen Königs aus purem Gold bestand oder nicht. Als das Wasser überschwappte, begriff er, dass jeder Körper so viel Wasser verdrängt, wie er Volumen hat. Anhand des Volumens und des Gewichts konnte er den Goldgehalt der Krone leicht bestimmen. Splitternackt soll er auf die Straße gerannt und seiner Freude Ausdruck verliehen haben: "Heureka - ich habe es gefunden!" Auch dass die Liebe zur Geometrie ihn schließlich umbrachte, ist wohl nur eine Anekdote:

Als die Römer seine Heimatstadt schließlich unterwarfen, befahl der römische Feldherr einem Soldaten, den berühmten Gelehrten zu ihm zu führen. Der Wissenschaftler wies den Soldaten mit dem berühmten Satz zurück: "Störe meine Kreise nicht". Daraufhin zog der Soldat wütend sein Schwert und erschlug den alten Mann.

Er war einer der größten Mathematiker der Geschichte. Unzählige Forscher fühlten sich von seiner Arbeit inspiriert. Plutarch sah einen erhabenen, idealen Geist in ihm:

Die einzige Frage ist, was unsere größte Bewunderung verdient hat: die Schönheit und Erhabenheit seiner Themen oder die Präzision seiner Beweisführungen.

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