KopfNuss
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Montag bis Freitag • 10:10
8.11.2004
Hörer-Frage
Von Gerrit Stratmann

Warum ist man im Auto vor Blitzschlag geschützt?

Das Metallchassis eines Automobils wirkt wie ein Faradayscher Käfig, in den keine elektrische Ladung eindringen kann.

Grelles Licht, ein lauter Knall - der Schrecken ist groß, wenn in umittelbarer Nähe der Blitz einschlägt. Selbst wer keine Angst vor Gewittern hat, wird ihnen mit Respekt begegnen. Zu Recht. Die gewaltigen Stromentladungen setzen Bäume und Häuser in Brand und treffen auch immer wieder Menschen. Aber wer im Auto sitzt, hat nichts zu fürchten.

Die Karosserie eines Autos besteht im Wesentlichen aus Metall, das die Insassen von allen Seiten umgibt. Metall ist ein sehr guter elektrischer Leiter, was nichts anderes heißt, als dass es viele frei bewegliche Elektronen enthält, und wo sich Elektronen bewegen, fließt Strom.

Auch wenn der Blitz einschlägt, fließen Elektronen. Der Blitzeinschlag ist sozusagen ein Elektroneneinschlag. Jedes Elektron ist negativ geladen und das hat sehr wünschenswerte Folgen für die Insassen des Wagen. Denn da sich gleiche Ladungen abstoßen, versuchen die Elektronen ständig, den größtmöglichen Abstand voneinander zu halten. Wenn der Blitz den Wagen trifft, verteilen sich die Elektronen "blitzschnell" auf der Außenhaut der Karosserie.

Sie dringen aber nicht ins Innere ein, denn dazu müssten sie ja näher zusammenrücken. Und das werden sie unter allen Umständen vermeiden. Deshalb verteilt sich die Blitzladung nur an der Außenseite des Fahrzeugs. Solange niemand im Auto das Fenster herunterkurbelt und den Arm heraushängen lässt - dadurch würde er die Ladung auf der Außenseite der Karosserie abgreifen - wird den Insassen im Innern nichts geschehen.

Dieses Prinzip, dass in eine Hülle aus leitfähigem Material kein elektrisches Feld eindringt, hat der Engländer Michael Faraday im 19. Jahrhundert entdeckt. Faraday war gelernter Buchbinder und naturwissenschaftlicher Autodidakt, der zwar Zeit seines Forscherlebens keine mathematischen Formeln benutzt hat, aber wegen seiner Erkenntnisse in der Chemie und Physik zu den bedeutendsten Entdeckern zählt. Die Wirkungsweise eines Faradayschen Käfig, der in seinem Inneren alle elektrischen Einflüsse abschirmt, kann man mehrmals täglich eindrucksvoll in einer Hochspannungsvorführung im Deutschen Museum in München beobachten, bei der ein Mitarbeiter unbeschadet in einer Drahtkugel sitzt, während sie von starken, künstlichen Blitzen beschossen wird.
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