KopfNuss
KopfNuss
Montag bis Freitag • 10:10
14.10.2004
Die harte Nuss
Gesucht wird ...
Von Susanne Billig

Die Tante kommt aus ihrer Tür;
"Ei!" - spricht sie - "welch ein gutes Tier!"
Kaum ist das Wort dem Mund entflohn,
Schnapp! hat er ihren Finger schon.
"Ach!" - ruft sie - "er ist doch nicht gut!"
Weil er mir was zuleide tut!"


Dieses Tier ist ein Verbrecher: Es beißt der Tante in den Finger, reißt Kälber in den Tod, macht unschuldigen Lämmern den Garaus, verbreitet die Schweinepest, vernichtet Ernten und lässt Singvögel verschwinden. Rakner Kühne, Biologe am Berliner Zoo:

Also es ist nicht alles wahr, was diesen Tieren nachgesagt wird, aber da es sich um Aasfresser handelt oder da sie eben auch an tote oder zuweilen aber auch an verletzte Tiere gehen können, dann kommen solche Gerüchte zustande.

Aasfresser sind sie also - die Römer überließen ihnen nach der Schlacht ihre Toten, denn sie verehrten die Tiere als Mittler zwischen den Göttern und den Menschen. Der germanische Gott Wotan ließ sich von ihm begleiten und schickte es täglich in die Welt, nach Neuigkeiten Ausschau zu halten. Das Tier werde uralt, so glaubte man, und könne sich an alles erinnern, was es je erlebt hat. Die Griechen sahen in dem streng monogamen Tier ein Symbol der Ehe, und für die Indianer Nordamerikas war es sogar die wichtigste Kreatur auf Erden. Es erschuf die Welt, hängte Sonne, Mond und Sterne ans Firmament, füllte das Meer mit Fischen und hütete die menschliche Kultur.

Dies wird des Unholds Ende sein -
So denkt man wohl - doch leider, nein!
Denn - schnupp! - der Tante Nase fasst er;
Und nochmals triumphiert das Laster!


Mit dem Christentum wurde das Tier zum Unglücksboten, noch heute rankt sich darum viel Aberglaube. In Böhmen verrät sein Schreien den Dieb. Lässt sich das Tier auf dem Dach eines Hauses nieder, wird ein Mensch krank oder er muss sterben.

Einige von ihnen sind richtige Kulturfolger. Das heißt, sie folgen dem Menschen, weil sie hier Nahrung finden. Als Allesfresser sieht man sie auf Mülldeponien beispielsweise und gerade in den Wintermonaten sammeln sie sich zu großen Schwärmen.

Mit "Übervermehrung" hat das nichts zu tun - die Tiere fliehen vor den eintönigen Landwirtschaftsflächen, die ihnen keine Nahrung mehr bieten.

Eigentlich gibt es das Tier gar nicht - hinter seinem Namen steht eine ganze Familie, zu der über hundert Arten auf allen Erdteilen gehören. Bis in die Gegenwart werden sie verfolgt und gejagt, waren lange ganzjährig zum Abschuss freigegeben und wurden nicht selten lebendig aufgehängt, um mit ihrem Todeszappeln Artgenossen abzuschrecken. Der größte Vertreter war in Deutschland fast ausgerottet, jetzt erholt er sich wieder.

Gerade im Brandenburger Raum ist dieser größte Vertreter zuweilen recht präsent (...) und wenn man durch den Wald geht, meistens sind es lichte Nadelwälder, dann hört man oft seinen Ruf, den hört man das ganze Jahr über, denn das Tier ist ein Jahresgast bei uns.

Dieser Riese hält mit über einem Kilo Körpergewicht und sechzig Zentimetern Schulterhöhe den Rekord als größter Singvogel der Welt. Einmal im Jahr bekommt er Nachwuchs, den er - allen Vorurteilen zum Trotz - mit großer Hingabe versorgt.

Jetzt aber naht sich das Malör,
Denn dies Getränke ist Likör.
Er lässt mit stillvergnügtem Sinnen
Den ersten Schluck hinunterrinnen.
Ei,ei! Ihm wird so wunderlich,
So leicht und doch absunderlich.
Er singt mit freudigem Getö'n
Und muss auf einem Beine stehn.
Der Vogel, welcher sonsten fleucht,
Wird hier zu einem Tier, was kreucht.
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