KopfNuss
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Montag bis Freitag • 10:10
22.11.2004
Hörer-Frage
Von Gerrit Stratmann

Wodurch vergilbt Papier?

Papier vergilbt, wenn es längere Zeit dem Sonnenlicht ausgesetzt ist. Verantwortlich für die Verfärbung sind Reste eines Holzstoffes namens Lignin, der sich unter Einwirkung von UV-Licht verändert und das Papier gelb aussehen lässt.

Die Farbveränderung des Papiers beruht auf einer photochemischen Reaktion, das heißt sie findet unter dem Einfluss von Licht statt, insbesondere dem energiereichen, ultravioletten Anteil des Sonnenlichts. Je nach Art des hergestellten Papiers ist mehr oder weniger des Holzstoffes Lignin im Endprodukt enthalten.

Lignin ist nach der Cellulose der häufigste Bestandteil von Holz. Es ist ein riesiges Molekül, das aus anderen, kleineren Molekülen zusammengesetzt ist, und dient dem Baum als Klebstoff, der die Zellen zusammenhält, dem Holz seine Festigkeit verleiht und dadurch für die Verholzung des Holzes verantwortlich ist.

Bei der Herstellung von Papier unterscheidet man holzhaltiges und holzfreies Papier. Holzhaltiges Papier wird aus so genanntem Holzschliff hergestellt. Dabei wird das Holz mechanisch zermahlen, eingeweicht und zu Papier verarbeitet. Die Inhaltsstoffe, insbesondere das Lignin, bleiben dabei erhalten. Das Papier ist bräunlich-gräulich und wird vor allem als Packpapier oder für Zeitungen benutzt. Für holzfreies Papier wird das Lignin mit Hilfe von Laugen chemisch aus dem Holzbrei herausgelöst, so dass fast nur noch der Zellstoff übrig bleibt. Aus diesem zusätzlich gebleichten Zellstoff entsteht reinweißes Papier zum Beispiel für Hygieneartikel oder als Schreib- und Klopapier. Da es kaum Lignin enthält, verfärbt es sich selbst nach langer Zeit nur wenig.

Holzhaltiges Papier hingegen reagiert auf Grund seines Ligninanteils viel stärker auf das Sonnenlicht. Die Energie der UV-Strahlen setzt in Teilen des Lignins eine Kette von komplizierten Reaktionen unter Beteiligung von Sauerstoff in Gang, an deren Ende die Veränderung bestimmter Molekülbausteine des Lignins steht. Diese veränderten Bausteine sind im Endeffekt für die Farbgebung verantwortlich. Man nennt solche farbgebenden Moleküle ganz allgemein auch Chromophoren, das heißt "Farbträger". Sie "saugen" beim Lignin aus dem Sonnenlicht den Blauanteil heraus, wodurch im Resultat das reflektiert Licht und damit das Papier gelblich erscheint.
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