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22.10.2004
O-Ton-Rätsel
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Von Uwe Golz

Hannes Wader, Liedermacher (Bild: AP)
Hannes Wader, Liedermacher (Bild: AP)
Auf seiner Homepage steht schlicht und einfach: Liedermacher - und Hannes Wader ist einer, der seit mehr als 35 Jahren Lieder macht. Mal traurig schön, mal hintergründig zynisch, dann wieder aufrüttelnd und politisch.

Hannes Wader, 1942 in Bethel bei Bielefeld geboren, entdeckte seine Berufung 1962. Da hatte er seine Ausbildung zum Dekorateur bereits hinter sich, die Karriere als Liedermacher - woran noch nicht zu denken war - aber vor sich.

Der französische Chansonier George Brassens war Schuld an Waders Wandelung. Mit 20 Jahren hört er zum ersten Mal dessen Lieder und beginnt selber Texte zu schreiben. Ein Jahr später schlägt Hannes Wader sein neues Domizil in Berlin auf. Hier studierte er zwar noch Grafik, tauchte aber immer mehr in der Folk-Bewegung der Mauerstadt ein. Legendäre Clubs wie das "Go-In" oder der "Steve-Club" werden sein Zuhause und Wader tritt bei den legendären Festivals auf der Burg Waldeck auf.

Seine Wanderjahre beginnen, die ihn aber 1968 wieder nach Berlin zurückführen. Die Stadt brodelt, die Studenten demonstrieren und Hannes Wader wird zu einem Star der Berliner Szene. In den Clubs arbeitet er sich hoch, so wie Reinhard Mey, Klaus Hoffmann oder Insterburg & Co., erhält er am Ende die Spitzengage von 25 DM pro Auftritt.

Dann, 1969, erscheint seine erste Platte Hannes Wader singt. Und er singt. Singt von seiner Vermieterin in Berlin, vom Rattenfänger und von den Arschkriechern. Hannes Wader wird zu einem Protagonisten der linken Bewegung.

1972 wird er verhaftet. In seiner Hamburger Wohnung, Berlin war dem Westfalen zu hektisch geworden und er war an die Waterkant umgezogen .Dort hatte die Baader-Meinhof-Bande - ohne sein Wissen - ihr Hauptquartier aufgeschlagen und Wader war der Unterstützung einer terroristischen Organisation verdächtig. Rundfunk und Fernsehen boykottieren ihn, er wird zur medialen persona non grata. Erst Jahre später wird das Verfahren gegen ihn eingestellt.

Wader wird "Volkssänger" und zieht von Hamburg in eine Mühle nach Nordfriesland. Er singt jetzt von der "Leevsten", der Liebsten, und "Rolling Home". Doch seiner politischen Überzeugung bleibt er treu. 1977 wird er Mitglied der Kommunistischen Partei, und wieder meiden ihn die Medien.

Wader, der mit seiner "Arbeiterlieder"-Platte noch politische Töne anstimmte, wird mit den Jahren poetischer. Seine Texte persönlicher, nicht aber versöhnlicher. Er heiratet, wird Vater und lässt 1991 die DKP hinter sich. Er beginnt Bellmann-Lieder zu interpretieren (unterstützt von Reinhard Mey und Klaus Hoffmann). 1997 veröffentlicht er seine Schubert-CD "An dich hab' ich gedacht".

Er geht auf Tournee, immer wieder und wieder, denn der Kontakt zu seinem Publikum ist ihm wichtiger als jedes Jahr eine CD zu produzieren. Seine letzte ist Anfang Oktober diesen Jahres erschienen: "...und es wechseln die Zeiten". Hannes Wader ist zwar älter geworden, glücklicherweise aber immer derselbe geblieben, auch oder gerade in diesen wechselnden
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