KopfNuss
KopfNuss
Montag bis Freitag • 10:10
2.11.2004
Redewendungen
Von Georg Gruber und Ingo Kottkamp

Zu einer Zeit, da einflussreiche Kräfte der BRD die Chance wittern, die Ergebnisse des Zweiten Weltkrieges und der Nachkriegsentwicklung durch einen Coup zu beseitigen, bleibt ihnen nur erneut die Erfahrung, dass an diesen Realitäten nichts zu ändern ist.

Nicht alle Redewendungen sind alt. Einige stehen erst seit wenigen Jahren im Zitatenlexikon, besonders solche, die man bekannten Persönlichkeiten zuschreibt.

Nein, gemeint ist hier nicht Erich Honeckers geflügeltes Wort "Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf". Honecker hat die gesuchte Redewendung auch nicht gesagt, aber sie wurde ihm gesagt.

Und wann?

Am 7. Oktober 1989, genau an dem Tag, als Honecker diese Rede hielt.

In 40 Jahren deutsche Republik summiert sich zugleich die 40-jährige Niederlange des deutschen Imperialismus und Militarismus.

Wir wissen das so genau, weil Honecker damals

- es war der 40. Jahrestag der DDR -

einen sehr bedeutenden Staatsgast zu Besuch hatte. Dieser Staatsgast hat später in seinen Memoiren von den Gesprächen mit Honecker erzählt.

Er hat ihm zu verstehen gegeben, dass in Honeckers Land gerade eine neue Zeit anbricht und dass Honecker nicht einfach so weitermachen kann wie bisher.

Sinngemäß. Nur eben noch um einiges griffiger.

Und weil dieser Ausspruch so griffig war, hat ihn eine Zeitlang jeder kopiert. Er war in aller Munde, und man benutzte ihn nicht nur für große historische Momente, sondern auch in ganz banalen Situationen - zum Beispiel, wenn jemand den Bus verpasste.

Der ausländische Staatsgast hat Recht behalten.

Ob er allerdings den Ausspruch wirklich genau so zu Erich Honecker gesagt hat -

Oder ob er das nur in seinen Memoiren so behauptet hat, weil der Satz eben so schön griffig war?

Das wissen wir nicht. Und werden es wohl nie so genau herausfinden, denn wahrscheinlich ...

... ist es dafür schon zu spät.
-> KopfNuss
-> weitere Beiträge
-> KopfNuss Lösung