KopfNuss
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5.11.2004
O-Ton-Rätsel

In einem Zeitalter, als jeder dachte, alles sei möglich, war es die Sensation: Das erste europäische Überschall-Linienflugzeug, die Concorde, hob 1969 zum ersten Testflug ab und landete nach einer halben Stunde wieder unversehrt. Der große Traum der Luftfahrttechnik hatte sich erfüllt: Jedermann konnte fortan schneller fliegen als der Schall.

Theoretisch zumindest, denn dieser Raubvogel aus Stahl, wie die Concorde oft liebe- und bewunderungsvoll genannt wurde, war das teuerste und durstigste Flugzeug der Welt. 15 Milliarden Mark kostete allein die von englischen und französischen Steuerzahlern subventionierte Entwicklung. Pro Stunde fraß der Vogel rund 23 Tonnen Sprit. Ein Ticket war an die 9000 Mark teuer.

Doch das spielte in der Anfangseuphorie 1969 kaum eine Rolle: Die Concorde bedeutete Fortschritt und Überlegenheit und das zählte. Für die Europäer, vor allem für die Franzosen, war die Concorde die Antwort auf die Mondlandung der Amerikaner, nach dem Motto: Ihr seid zwar auf den Mond geflogen, aber ein Überschall-Linienflugzeug habt ihr nicht.

Dass es die Russen waren, die noch wenige Monate vor der Concorde die erste Überschallmaschine für den Linienflug in die Luft gebracht hatten, war dabei unerheblich. 20 Jahre lang dauerte die Entwicklung der westeuropäischen Super-Hightech-Maschine. Bereits Mitte der 50er Jahre legten britische Ingenieure und französische Flugzeugbauer erste Entwürfe vor, die 1962 in einer Kooperation beider Länder mündeten. Gemeinsam fühlte man sich der Herausforderung besser gewachsen.

So war etwa die stabile Konstruktion einer hitzeverträglichen Außenhaut dieser 62 Meter langen Maschine von entscheidender Bedeutung, wollte man nicht riskieren, dass die späteren Fluggäste wie Toast geröstet würden: Erhitzt sich doch die Außenhaut des Flugzeuges bei der Fluggeschwindigkeit von 2180 Kilometern pro Stunde auf 127 Grad Celsius. Der Rumpf wurde in einer speziellen Ganzmetall-Halbschalenbauweise gefertigt.

Gleichzeitig wurden die in den Tragflächen integrierten Kerosintanks so geformt, dass sie zur Kühlung der Außenhaut beitrugen. Eine weitere technische Herausforderung stellte die Konstruktion der Flügel dar, denn um schneller als der Schall fliegen zu können, bedurfte es einer besonderen Form. Entwickelt wurden die so genannten glatten Flügel, die allerdings aerodynamisch so ungünstig waren, dass die Concorde nur mit der Unterstützung von Nachbrennern, die 20 Prozent zusätzlichen Schub lieferten, überhaupt abheben konnte. Zudem mussten die Ingenieure für den enormen Kerosinbedarf Platz finden und verteilten deshalb große Tanks über die gesamten Flügelflächen und den Rumpf.

Damit die Maschine nicht Gefahr lief, beim Start aufzusetzen, musste überdies ein spezielles teleskopartiges Fahrwerk gebaut werden. Für alle Probleme bis auf eines fand man eine Lösung: Was die Konstrukteure der Concorde bis zum Schluss nicht in den Griff bekamen, war die extreme Abnutzung der Reifen, die bei jedem Start einer Beschleunigung auf 400 Kilometer pro Stunde standhalten mussten. Nach 30 Landungen musste jeweils ein Reifenwechsel vorgenommen werden. Sieben Jahre nach dem Jungfernflug flog die Concorde ab Januar 1976 regelmäßig Passagiere und brachte es auf Rekordflugleistungen: Nur 2 Stunden, 52 Minuten und 59 Sekunden benötigte die Maschine von London nach New York.

Trotzdem wurde dieses Flugzeug nie ein wirtschaftlicher Erfolg. Von den ursprünglich geplanten 200 Maschinen wurden nur 11 gebaut, alle im Auftrag von Air France und British Airways. Fast 30 Jahre galt die Concorde als sicherstes Flugzeug der Welt, weil nie ein Unglück geschah. Als dann aber am 25. Juli 2000 eine französische Concorde kurz nach dem Start in Paris abstürzte und 113 Menschen ums Leben kamen, wurde ein Jahr lang ein Flugverbot erteilt, das man erst wieder aufhob, nachdem die Concorde technisch überarbeitet worden war. Trotzdem blieb das Image des Superfliegers angeschlagen und so erstaunte es wenig, als im Jahr 2003 das endgültige Aus für den Flieger kam. British Airways und Air France kündigten an, die Concorde aus Kostengründen auszumustern. Am 24. Oktober 2003 startete das Überschall-Linienflugzeug zu seinem letzten Flug von New York nach London.

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