KopfNuss
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3.12.2004
O-Ton-Rätsel

Gasgemisch ansaugen, verdichten, verbrennen und ausstoßen - mehr macht er nicht, der Kolben im Vier-Takt-Motor, der 1876 von seinem Erfinder Nicolaus August Otto zum Patent angemeldet wurde und die Welt revolutionierte. Denn erst durch diesen kleinen und relativ leistungsstarken Motor wurde es möglich, Automobile sinnvoll anzutreiben und so begründete der Otto-Motor, wie der Viertakter auch genannt wird, das moderne Zeitalter der Mobilität. Von den heute Hunderte Millionen zugelassenen Fahrzeugen sind die meisten mit einem solchen Motor unterwegs. Eine unglaubliche Zahl, blickt man zurück, wie alles in dem kleinen Städtchen Holzhausen im Taunus begann:

Nicolaus August Otto, der dort am 14. Juni 1831 das Licht der Welt erblickte und nach einer Kaufmannslehre als Handlungsreisender tätig war und Zucker und Kaffee verkaufte, begann 1860 - zunächst nur in seiner Freizeit - damit, sich mit der Entwicklung eines Verbrennungsmotors zu beschäftigen.

Niemand weiß, warum er das tat. Es ist lediglich bekannt, dass Otto von der Erfindung des ersten Verbrennungsmotors der Welt 1860 durch den Belgier Etienne Lenoir tief beeindruckt war. Otto ließ sich diesen Motor eigens nachbauen, um ihn in seine Tüfteleien einzubeziehen. Erfolgreich, denn zwei Jahre nach Beginn seiner ersten Experimente hatte Otto seine eigene Kraftmaschine konstruiert, den ersten Viertakter der Welt, der anders als der Gasmotor von Lenoir mit Benzin betrieben wurde.

Hoch motiviert gab Otto nun seine Arbeit als Handlungsreisender auf und widmete sich fortan nur noch dem Motorbau, obwohl sein erster Viertakter große Mängel offenbarte. Der Teufel steckte im Detail. Schon nach wenigen Monaten zeigte sich, dass sein Apparat nicht langfristig funktionierte. Zu heftig war die Verbrennung im Zylinder, zu hart schlug der Kolben und zerstörte so die gesamte Maschine. Auch nach monatelanger Arbeit bekam Otto das Problem nicht in den Griff und wandte sich schließlich der Entwicklung von Explosionsmotoren, so genannten atmosphärischen Flugkolbenmotoren zu, die eine Alternative zu den großen und teueren Dampfmaschinen darstellten und deren Leistung bei damals drei PS lag. Und auch hier hatte Otto wieder Erfolg: 1867 erhielt er für die Konstruktion eines solchen Motors eine Goldmedaille auf der Pariser Weltausstellung und gründete daraufhin mit anderen 1872 die Gasmotoren-Fabrik Deutz AG bei Köln.

Drei Jahre liefen die Geschäfte auf Hochtouren, dann allerdings kam es zu Absatzschwierigkeiten. Handwerk, Gewerbe und Kleinindustrie forderten bessere Motoren mit höherer Leistung und genau da erinnerte sich Otto wieder an seinen Viertakter. Zwölf Jahre nach dem ersten gescheiterten Versuch startete Otto mit dieser Maschine einen zweiten Anlauf und konnte diesmal die technischen Probleme des Motors lösen. 1876 präsentierte er der überraschten Weltöffentlichkeit einen langzeitig funktionierenden Viertakter, den so genannten Neuen Motor.

Über 2500 Stück dieses Urmodells wurden in den kommenden Jahren hergestellt. Sie alle waren allerdings ausschließlich zur industriellen Nutzung gedacht. Otto selbst baute seinen Viertakter nie in ein Automobil ein. Dies taten erst Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach. Sie ließen 1886 die ersten mit flüssigem Brennstoff betriebenen Kraftfahrzeuge über die Straßen rattern und machten den Otto-Motor weltberühmt.
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