KopfNuss
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Montag bis Freitag • 10:10
2.12.2004
Harte Nuss
Gesucht wird ...
Von Susanne Billig

Wenn der Tag endet und die Nacht einbricht, kommt die Stunde DIESES Tieres. In einer Legende heißt, dieses Tier sei ursprünglich ein Mädchen gewesen, eine von drei ungehorsamen Schwestern. Das Mädchen trotzte gegen Gott und wurde zur Strafe in ein Tier verwandelt, das die Sonne niemals zu Gesicht bekommt. Eine Hexe war das Tier, es konnte in die Zukunft blicken und geheimnisvolle Wahrheiten aussprechen. Eine Frau, so hieß es auch, würde im Schlaf reden und all ihre Geheimnisse verraten, wenn es gelang, DIESES Tier zu töten. Man musste dem Tier das Herz herausschneiden und es auf das Herz der Schlafenden legen - dann gäbe die Frau alles von sich preis. Rudolf Reinhard, Kurator im Berliner Zoo:

Erst wenn's dunkel wird, werden sie aktiv. Und dann verlassen sie eben ihre Schlupfhöhlen, oder Gemäuer, oder Gewölbe und werden aktiv. Sie sind nämlich fähig, im Dunkeln - aufgrund besonderer anatomischer Verhältnisse im Auge - also auch im Dunkeln sehr gut sich orientieren zu können. Neben dem Gesichtssinn ist allerdings auch der Gehörsinn dieser Tiere stark ausgebildet, so dass sie sich in Dunkelheit bestens orientieren können und eben ihre Aktivitätsphase in der Nacht liegt.

In ihren Augen gibt es besondere Stäbchen, mit deren Hilfe sie winzigste Spuren von Licht wahrnehmen können. Ihre Ohren sind vor allem für das räumliche Hören ausgestattet. Sowie ihr Beutetier auch nur den kleinsten Laut von sich gibt, orten sie, wo sich das Beutetier befindet, ja, sie können sogar errechnen, wo sich das Tier zwischen Wahrnehmung und Zuschlagen hinbewegt. Zielgerecht werfen sie sich dann auf die Beute - und verschlucken sie mit Haut und Haar. Weltweit gibt es sie in verschiedenen Unterarten, in der Alpenwelt ebenso wie in Asien, Afrika und Südamerika.

Die Jungen werden nackt und blind geboren, sind anfänglich ganz und gar von der Obhut der Eltern abhängig, und man sagt, dass sie etwa drei Monate brauchen, bis sie zum ersten Mal den Platz der Geburt verlassen. Dann werden sie noch einige Zeit von den Alttieren versorgt und müssen dann selbständig werden, und die Jagdtechniken bekommen sie noch mit von den Alten, und dann wandern sie ab und besiedeln neue Biotope.

Paarweise leben die Tiere zusammen, in guten Jahren kann ein Paar bis zu zwölf Junge haben. In schlechten Jahren fällt die Fortpflanzung allerdings aus. Besonders der Winter macht ihnen zu schaffen - wenn viel Schnee liegt, sterben nicht selten ganze Populationen. Selbst für solche Fälle hat die Natur vorgesorgt: Dann wandern Artgenossen aus anderen Regionen in die verlassenen Lebensräume ein. Das Leben für die Art geht weiter, auch wenn die Individuen nicht mehr dieselben sind.

Das Durchschnittsalter ist erschreckend niedrig. Es gibt Berichte, dass von 100 zur Welt gekommenen Jungtieren nach zwei Jahren nur noch zwei Leben; es ist also ganz, ganz hohe Mortalität. Aber ein Einzelindividuum und dann auch vielleicht noch versorgt in einem Zoologischen Garten, kann 30Jahre alt werden. Aber in freier Wildbahn ist natürlich das Lebensalter wesentlich geringer.

Ihr einziger natürlicher Feind ist so gut wie ausgestorben - der Wanderfalke kann sie nicht mehr erschrecken. Den Tieren könnte es also gutgehen, in alten Gemäuern, in Kirchen und auf Bauernhöfen.
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