KopfNuss
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10.12.2004
O-Ton-Rätsel

"Dieser Mann, der in seiner Erscheinung für den ersten flüchtigen Blick ein Durchschnittsbürger schien, besaß einen Zauber des Wesens, dem sich wenige entziehen konnten. Aus seiner biegsamen, warmen, seltsam gewinnenden Stimme sprach ein gütiger vertrauenerweckender Mensch. Aber dieselbe Stimme konnte anschwellen im Zorn und rebellierende Rotten bannen."

Mit diesen Worten charakterisierte Gustav Radbruch, ehemaliger Reichsjustizminister in der Weimarer Republik, den im Februar 1925 verstorbenen ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert.
Geboren wurde der Sozialdemokrat 1871 in Heidelberg als Sohn eines Handwerkers. Sein Vater war Schneidermeister. Der junge Friedrich selbst begann im Alter von 17 Jahren eine Ausbildung zum Sattler. Nach drei Jahren als Wandergeselle und verschiedenen Zwischenstationen ließ er sich zunächst in Bremen nieder. Schon in diesen jungen Jahren trat er der sozialdemokratischen Partei bei und engagierte sich für soziale Ziele in gewerkschaftlicher Arbeit.

1905 wurde der fleißige Ebert als Sekretär in den Parteivorstand nach Berlin berufen. Von dort war der Weg zum Parteivorsitzenden nicht mehr weit. Bei den Wahlen 1912 wird er in den Reichstag gewählt und nach dem Tod August Bebels 1913 mit großer Mehrheit zum Vorsitzenden der Partei.

Seinen Zenit erreichte Ebert aber erst in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, als es im Deutschen Reich zu einem Systemwechsel kam. Bis 1918 war das Deutsche Reich eine Monarchie. Aber im November kam es zu einem Aufstand der Matrosen, dem sich landesweit weitere Arbeiter und Soldaten anschlossen. Sie forderten ein Ende der Kriegshandlungen, die Abdankung des Kaisers und die Errichtung einer Räterepublik. Wilhelm II. dankte tatsächlich ab am 9. November, einige Stunden nachdem seine Abdankung bereits eigenmächtig in Berlin verkündet worden war. Der letzte kaiserliche Reichskanzler Prinz Max von Baden übergab die Amtsgeschäfte an Friedrich Ebert, der zunächst einem provisorischen Rat der Volksbeauftragten vorstand, ab Februar 1919 aber regulär gewählt der erste Reichspräsident der neuen Republik wurde.

Er erfüllte sein Amt in schweren Zeiten. Sicherheit und Stabilität des Landes wurden sowohl von links außen als auch von radikal konservativen Kräften auf harte Proben gestellt. Die einen forderten eine sozialistische Republik, die anderen die Rückkehr des Kaisers. Ebert war stets bemüht, einen Ausgleich zu schaffen und Präsident für alle Schichten der Bevölkerung zu sein. Sein unermüdliches Eintreten für das Ansehen der neuen Republik und der Demokratie schützten ihn indes nicht vor Verleumdung und Rufmord. 1924 beschuldigte ein Magdeburger Gericht ihn indirekt des Landesverrats, wegen seiner Teilnahme an einem Munitionsarbeiterstreik im Winter 1918. Grundlage war ein offener Brief Emil Ganssers, der in der "Mitteldeutschen Presse" erschien und in dem Ebert als Landesverräter bezeichnet wurde. Der Herausgeber der Zeitung wurde wegen eines Kommentars der Beleidigung für schuldig befunden, nicht aber der Verleumdung, da Eberts damaliges Verhalten den Tatbestand des Landesverratsparagraphen erfüllt habe.

Auch wenn das gesamte Kabinett geschlossen beteuerte, dass Eberts Tätigkeit stets dem Wohl des deutschen Vaterlandes gegolten habe, traf ihn dieses Urteil am 23. Dezember 1924 schwer. Er starb nur zwei Monate später, am 28. Februar 1925 im Alter von 54 Jahren, an den Folgen einer verschleppten Krankheit.
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