KopfNuss
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7.12.2004
Redewendungen
Von Laf Überland

Ursprünglich war es das Bärenhemd, das dieser heute gesuchten Redensart zugrunde lag: das Bärenhemd, das die Recken in der altnordischen Welt trugen, damit die Kraft des getöteten Tieres auf sie überging. Was sie später vor allem mit dem Tier verband, war - glaubt man den Überlieferungen - ihr Gestank.

Was allerdings die Redensart betrifft, so war dabei weniger entscheidend, wie die Protagonisten rochen - sondern, wie sie sich benahmen! Nämlich gar nicht mehr ...! Die Gerüchte der Römer über Krieger, die auch mit drei Speeren im Leib noch weiterkämpften, gründen sich auf die Begegnung mit dieser Redensart.

Man trifft auf diese Redensart vor allem in den Sagas der nordischen Völker: bei Männern, mit denen im Kampf Sonderbares geschieht, weil sie sich vom einen Augenblick auf den anderen für unverwundbar halten in ihrer Wut! Mächtige Kampfhelden seien sie gewesen, und die "angeerbte Wuth" - so beschreibt es eine alte Quelle - "begegnete ihnen sogar nicht selten in solchen Anfällen, dass sie, weder sich noch Andere kennend, ihre eigenen Leute umbrachten, daher sie, sobald sie Annäherung des Anfalls fühlten, sich in Wälder und Gebirge begaben, um ihren Grimm an den Felsen und Bäumen auszulassen; war dieser dann vertobt, so erschienen sie abgemattet, schwach und hülflos".

Ungebremst im Kampfe aber, da heulten und bissen sie mit den Zähnen wie die Wölfe, zerbissen oft Schwerter und Schilde ihrer Feinde, stürzten sich in die Flamme brennender Schiffe unversehrt, zermalmten, was in den Bereich ihrer Arme kam. Und ihr Untergang ward häufig durch ihre Raserei selbst herbeigeführt.

In heutigen Zeiten hat die Psychologie für diese Redensart ihre eigenen Bezeichnungen: extremer Jähzorn ist so ein Stichwort. Ein beinahe grenzenloses Kraftpotential wird freigesetzt, der Geist ist hellwach: Bewegungsabläufe werden ohne Rücksicht auf Schäden optimiert. Das Schmerzempfinden ist ausgeschaltet. Prellungen, Stauchungen, Knochenbrüche, sogar der Verlust von Extremitäten werden zwar registriert, aber innerhalb dieser Redensart sofort beiseite geschoben.

Im Normalfall endet so ein Anfall durch Kollabieren. Die Überlastung des Körpers erreicht ihre Grenzen. "Affekt" nennt die deutsche Rechtsprechung das, was diese Redensart, genau genommen, aber altertümlich ausgedrückt, da meint.
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