KopfNuss
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20.12.2004
Hörer-Frage

Warum schmecken Seefische, die ihr Leben ausschließlich im Salzwasser verbringen, nicht nach Salz?

Zellmembranen verhindern aktiv, dass zuviel Salz in die Zellen des Fischfleisches eindringen kann. Deswegen enthält das Gewebe weit weniger Salz als das umgebende Wasser.

Ein gewisser Salzgehalt ist nötig für viele Vorgänge in einem Organismus. Der Salzgehalt von Meerwasser (35 Gramm pro Liter) wäre aber auch für Salzwasserfische zuviel des Guten. Tatsächlich ähnelt die Salzkonzentration in ihrem Blut dem relativen Salzgehalt im menschlichen Körper (9 Gramm pro Liter). In den Körperzellen ist die Konzentration sogar noch geringer.
Damit das auch im salzreichen Meerwasser so bleibt, sind die Zellen des Fischfleisches mit Membranen ausgestattet, die wie Schleusen den Salzgehalt in den Zellen steuern. Überschüssiges Salz pumpt ihr Organismus wieder ab und gibt es über die Kiemen zurück ans Meerwasser. Dadurch bleibt das Gewebe insgesamt auf einem niedrigeren Salzniveau als das umgebende Wasser.

Diese Fähigkeit der Anpassung wird möglich durch die so genannte Osmoregulation. Wenn zwischen zwei durch eine Membran getrennten Räumen, zum Beispiel innerhalb und außerhalb einer Zelle, ein Unterschied in der Salzkonzentration besteht, wird Wasser von der einen Seite dorthin gezogen, wo die Salzkonzentration größer ist, um einen Ausgleich zwischen den unterschiedlichen Konzentrationen zu erreichen. Diesen Vorgang nennt man Osmose.

Für den Fisch im Meer heißt das, er müsste eigentlich austrocknen, da das Meer viel salziger ist, als er selbst und deshalb Wasser durch Osmose aus seinem Körper herausgezogen wird. Um das zu verhindern, muss er sehr viel Meerwasser nachtrinken. Mit dem Wasser nimmt er natürlich auch sehr viel Salz auf, das er zunächst aktiv dem Wasser entzieht, damit dann - durch Osmose - Wasser in die Zellen gezogen werden kann wegen des kurzzeitig erhöhten Salzgehaltes. Ist das Wasser einmal drin, ziehen die Zellen das Salz über bestimmte Kanäle wieder ab und scheiden es wieder aus ans Meer. Die Fische schmecken somit nicht wegen sondern trotz der Osmose weniger salzig als das Wasser, in dem sie leben.
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