KopfNuss
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17.12.2004
O-Ton-Rätsel

1961 brachte sie den Deutschen "Weiße Rosen aus Athen", da war Johanna Mouskouri, Künstlername Nana, aber schon ein Star.

Am 13. Oktober 1934 auf Kreta geboren durchlief sie den klassischen Weg zur Musik. Als 15-Jährige beginnt Nana Mouskouri am Conservatorium Héllenique in Athen mit ihrem Musikstudium, acht Jahre verbringt sie hier zwischen Harmonielehre, Gesangsunterricht und Klavierspielen. Auch wenn Kritiker sie immer wieder die "Callas des Unterhaltungsgesangs" genannt haben, Mouskouri selbst sieht sich kritischer. "Eine Callas wäre ich aber wohl kaum geworden", sagt sie, "diesen Stimmumfang habe ich nicht." Und sie entdeckt - schon während ihres Studiums - eine musikalische Welt neben der Klassik: Ella Fitzgerald, Frank Sinatra, Billy Holiday und Elvis. Nana erkennt: "Ich muss einen anderen Weg gehen, meinen eigenen." Und sie geht ihn.

Mit einer Jazzband tritt sie im griechischen Rundfunk auf und die Erfolgsgeschichte Nana Mouskouri nimmt ihren Lauf. 1958 erscheint ihre erste Schallplatte, "Chansona" und im gleichen Jahr gewinnt sie das Festival de la Chanson Héllenique, ein Jahr später wiederholt sie den Festival-Erfolg in Barcelona und ist in dem Film "Traumland der Sehnsucht" zu hören.

Ihre "Weißen Rosen aus Athen" katapultieren sie in Deutschland an die Spitze der Hitparaden, die Platte wird ihre erste Goldene, mehr als 300 sollen es im Laufe der Jahre werden. Doch die Sängerin mit den schwarzen Haaren und der scheinbar noch schwärzeren Hornbrille, die sie sich strikt weigert abzulegen, will mehr als nur Schlager singen. Und wie immer geht Nana Mouskouri konsequent ihren Weg.

Mit Harry Belafonte ist sie 1964 erstmals auf Tournee, drei weitere Tourneen folgen. Sie pendelt zwischen Athen, Berlin, Paris - wo ihr Konzerte im legendären Olympia bald ebenso legendär sein sollen wie das Konzerthaus selbst - und den USA. Mouskouri wird zu einer Weltbürgerin der Musik, sie gastiert von Japan bis Israel, von Kanada bis Australien, arbeitet aber vorzugsweise in Frankreich und Deutschland - längst hat sie den Schlager hinter sich gelassen. Mouskouri singt (in 15 Sprachen) Jazz und Klassik, Chansons und Lieder ihrer griechischen Heimat. Aber es soll 22 Jahre dauern bis sie wieder in Athen auftritt. Ihr Konzert 1984 zu Füßen der Akropolis wird ein - wie sollte es anders sein - überwältigender Erfolg.

1993 wird Nana Mouskouri zur Sonderbotschafterin der UNICEF ernannt und ein Jahr später kandidiert sie für einen Sitz im Europäischen Parlament und wird gewählt. Bis 1999 teilt sie ihre künstlerische mit der politischen Arbeit.

Dann kehrt sie der politischen Bühne wieder den Rücken, um sich ganz der Musik zu widmen. Im Oktober 2004 erscheint ihre bisher letzte CD "Ich habe gelacht, ich habe geweint". Keine musikalische Biographie, aber ein Bekenntnis. "Sie mögen es banal nennen, wenn ich von dem Kind und seiner Mutter, von Liebe, von Abschiednehmen, vom Tod, von der Sonne und vom Mond, von Freude und Leid singe, immer mit Zärtlichkeit und Optimismus, aber das sind doch die ewigen Themen der Menschen. Ich will Wunden nicht bloßlegen, ich will sie heilen. Ich verlange von einem Lied nur eins: Es muss zu Herzen gehen, es soll die Seelen anrühren, sie in Schwingungen setzen", sagt Nana Mouskouri.
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