KopfNuss
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16.12.2004
Harte Nuss
Gesucht wird ...
Von Susanne Billig

Ein größeres Land als dieses gibt es nicht - seine Grenzen reichen vom Nordpol bis zum Südpol. Um es zu erschaffen, mussten zwei riesige Landmassen kollidieren. Bei dem Zusammenprall türmten sich hohe Gebirge auf: die Appalachen im Osten Nordamerikas zum Beispiel und der Ural. Zwischen den Landmassen liegt das Meer Tethys, rund um den Kontinent wogt Panthalassa. Dieser gewaltige Ozean bedeckt zwei Drittel der Erdoberfläche. Für Tiere und Pflanzen beginnt das Leben auf dem Superkontinent mit einer Katastrophe. Ein Fachbuch berichtet:

Die Bildung des Großkontinentes führt zu einer Änderung des Weltklimas. An den Polen sinken die Temperaturen, große Teile der Südhalbkugel sind von Eismassen bedeckt. Alles Leben wandert Richtung Äquator.

Nicht alle schaffen die Umstellung - neunzig Prozent aller Tier- und Pflanzenarten sterben aus. Im Laufe der Zeit erwärmt sich das Klima, Gletscher und Pole schmelzen. Im Innern des Kontinentes bilden sich riesige, lebensfeindliche Wüsten. In den Flusstälern und an der Küste jedoch gedeiht eine üppige Vegetation:
Tropischer Regenwald

Die Pflanzenwelt besteht aus Schachtelhalmen, Farnen, Ginkgo- und Nadelbäumen. Die Tierwelt umfasst neben Insekten und Fröschen auch Pflanzen fressende Ur- und Schnabelkopfsaurier, Schildkröten, Flugsaurier und verschiedenste Reptilien bevölkern das Land.

Auf diesem Kontinent tauchen die ersten Dinosaurier auf - die mittelgroßen, fleischfressenden Theropoden, die auf zwei Beinen nach Beute jagen. Nach einiger Zeit bevölkern die ersten Pflanzenfresser das Land, die Prosauropoden. Diese Tiere wachsen und wachsen, bis ihr massiger Körper sie wieder auf alle Viere zwingt. So sieht das Land Existenzformen kommen und gehen.

Und dann muss das Land selbst sterben - vor zweihundert Millionen Jahren beginnt sein Untergang. In der Erdkruste brechen Risse auf. Basalt tritt an die Oberfläche, neuer Ozeanboden bildet sich und lässt den Riesenkontinent dort zerbersten, wo er zusammengeschweißt wurde: zwischen den beiden Landmassen Laurasia und Grondwana. Der Riesenozean Panthalassa löst sich in neue Meere auf, das Tethysmeer schrumpft und verschwindet zwischen Afrika, Asien und Europa. Auch Laurasia und Gondwana können sich nicht halten.

Als Gondwana auseinanderbricht, prallt Afrika auf Europa, was die Alpen aufwölbt. Der Aufprall Indiens auf Asien lässt den Himalaja entstehen. Vor fünfundsechzig Millionen Jahren ist das einstige Supergebilde in die heutigen Kontinente zerfallen.

Der deutsche Forscher Alfred Wegener gab dem großen Kontinent seinen Namen. Doch vielleicht gab es das Riesending nicht nur einmal - sondern schon mehrfach in der Vergangenheit. Und vielleicht kehrt es sogar zurück. Einige Geologen sind davon überzeugt:

Wenn die Kontinentalplatten nur lange genug über die Erde wandern, müssen sie irgendwann zu einem Superkontinent verschmelzen. Und dieser wird, wegen der Wärme im Erdinneren, die sich unter der Landmasse staut - früher oder später wieder auseinanderbrechen.

Sollte die Theorie stimmen, gab es das riesige Land schon fünfmal, seit die Erde existiert. Und die nächste Lebensperiode steht schon vor der Tür. Längst hat die Erde begonnen, sich umzustrukturieren:

Der Atlantik schrumpft und verschwindet. Afrika setzt sich über die restriktive Einwanderungspolitik der EU souverän hinweg, schiebt sich nach Norden, verdrängt das Mittelmeer, stößt mit Europa zusammen und wirft ein Gebirge von der Höhe des Himalajas auf. Australien verschmilzt mit Asien. Amerika bleibt seiner gegenwärtigen Politik treu und entfernt sich weiter und weiter von Europa und Afrika. Das lässt einen gewaltigen Riss im Boden des Atlantischen Ozeans aufbrechen. Aus dem Erdinneren steigen neue Bergketten auf und teilen das Meer. In dreihundert Millionen Jahren ist der Atlantik völlig verschwunden - und Amerika, Afrika und Eurasien sind neu zusammen gewachsen: zum nächsten Superkontinent.
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