KopfNuss
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31.12.2004
O-Ton Rätsel

Im Alter von 13 Jahren fiel Wernher von Braun ein kleines Buch in die Hände, das sein weiteres Leben entscheidend prägen sollte. Es war das Buch "Die Rakete zu den Planetenräumen" seines späteren Mentors und Freundes Hermann Oberth, das noch heute als grundlegendes Werk für die Anfänge der Raketentechnik angesehen wird.

Wie von Braun zugibt, konnte er das Buch als Schüler zunächst nicht verstehen wegen "erwiesener Unfähigkeit in Mathematik". Aber der Traum von der Reise zu den Sternen war so stark, dass er diese Unfähigkeit überwand und zum Konstrukteur der Rakete wurde, die in den 60er Jahren die ersten Menschen zum Mond beförderte, der Saturn V.

Obwohl Wernher von Braun damit zu den beneidenswerten Menschen gehörte, denen es vergönnt war, ihren Traum zu leben, gründete sich sein Erfolg auch auf düstere Umstände in seinem Leben. Es war vor allem das Militär, das sich interessiert zeigte an der Entwicklung der Raketentechnik für eine neue Waffengattung.

Schon während seines Studiums beginnt von Braun auf dem erweiterten Artillerieschießplatz in Kummersdorf, süd-östlich von Berlin, für die Geldgeber mit der Konstruktion von Raketen. Dort entstehen zwischen 1933 und 1936 die ersten kleinen Prototypen (A1 bis A3) mit wechselhaftem Erfolg. Da die A3 zu groß war für einen Start in bewohntem Gebiet, verlegte man die gesamte Forschungseinrichtung auf ein neu errichtetes geheimes Gelände in Peenemünde auf der Insel Usedom.

Die ersten Tests der A3 endeten in einem Desaster. Die schon geplante größere A4 konnte unmöglich nach dem gleichen Prinzip montiert werden, so dass mit der A5 zunächst wieder ein kleinerer, aber neu konstruierter Typ gebaut wurde. Die Startversuche zwischen 1939 und 1942 verliefen erfolgreich. Mit den neuen Erfahrungen baute man nun die A4, die als erste Rakete eine Nutzlast von einer Tonne - in Form von Bomben - transportieren sollte.

Dass Wernher von Braun lieber Menschen als Nutzlast transportiert hätte und eher an die Eroberung des Weltraums als an die Verteidigung des Vaterlandes dachte, wurde ihm später beinah zum Verhängnis. Obwohl er Mitglied der NSDAP und der SS war, wurde er 1944 mit Kollegen verhaftet, weil sie unter dem Verdacht standen, sie hätten "geheimen Gedanken der Weltraumfahrt nachgehangen und infolgedessen nicht ihre ganze Energie und Kraft für die Fertigstellung der A4 als Waffe eingesetzt."

Der Leiter der Forschungsstelle in Peenemünde, Generalmajor Dorndorf, konnte ihre Freilassung erwirken. Zu dieser Zeit war die Entwicklung der A4 schon abgeschlossen. Bereits im Oktober 1942 hatte sie ihren erfolgreichen Jungfernflug absolviert, bei dem sie eine Entfernung von fast 200 km zurücklegte und eine Höhe von 90 km erreichte. Damit war sie die erste Rakete, die an die Grenze zum Weltraum vorstieß.

Der erfolgreiche Test überzeugte Hitler von der neuen Wunderwaffe und er befahl ihre Massenfertigung. Goebbels benannte sie um in die Vergeltungswaffe 2 (V2). Mehrere tausend V2 wurden von Zwangsarbeitern unter mörderischen Bedingungen in den nächsten Jahren gefertigt und eingesetzt, vor allem gegen London und Antwerpen. Mehrere tausend Zwangsarbeiter und Zivilisten verloren dadurch ihr Leben.

Von Braun war der Einsatz seiner Rakete als Waffe offenkundig zuwider. Am 2. Mai 1945 stellten er und mehrere Mitarbeiter sich den US-Streitkräften. Die waren an den Fähigkeiten der Raketeningenieure sehr interessiert. Von Braun siedelte in die USA über und wurde dort nach Gründung der NASA 1960 Leiter des Marshall Space Flight Centers, wo er die erste Mondrakete konstruierte, die im Wesentlichen eine Weiterentwicklung seiner Arbeit in Pennemünde war.
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