KopfNuss
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21.12.2004
Redewendungen

10.11 Uhr - Berlin Schöneberg - die Frisur hält! - Das haben Sie gemerkt, ne? Dass ich das geklaut habe...

Nun ja - in gewissem Sinne hängt diese kleine Übernahme sogar mit der heute gesuchte Redensart zusammen. Aber wollen mir mal nicht vorgreifen...

Leonardo - der große Leonardo: Wie man in den vielen, vielen Zeichnungen und Grafiken seiner damals eher abstrus scheinenden Erfindungen erkennen kann, hat der Mann sehr, sehr viel erfunden, und man fragt sich heute natürlich, ob er nicht vielleicht auch eine Menge davon geklaut hat, sozusagen... Aber dann hätte er - unter uns Fachleuten gesagt - noch die originalen Zeichnungen klauen müssen... Denn zwar war die Kunstfertigkeit, die der heute gesuchten Redensart zugrunde liegt, damals bereits erfunden: Aber als Reproduktionstechnik - hatte sie sich noch nicht verbreitet...

Stattdessen wurden diese sehr arbeitsaufwändige Technik "verschendet", möchte man fast sagen: für Wallfahrtsdevotionalien und als Muster für Entwurfsmodelle für Spielkarten, Zierbuchstaben und dergleichen... (Erst im 16. Jahrhundert rationalisierten geschäftstüchtige Verleger die Technik, die dieser Redensart - wie gesagt - zu Grunde liegt....)

Es handelt sich hierbei um den kunstfertigen Umgang mit einem so genannten Grabstichel: einem vierkantigen Stahlgriffel mit einem abgerundeten hölzernen Griff, der aber stark genug ist, das Ritzen in polierte Kupferplatten auszuhalten. Sein Ende kann spitz, flach und rund geschliffen sein. Und diese Kunstfertigkeit war seit dem ausgehenden Mittelalter die einzige Form ein Original - in der Regel ein "Kunstwerk" - zu vervielfältigen.

Und worin? - Nicht mehr in Holz!

Man hat das gemeine Material, das nach seiner ersten Entdeckung auf Zypern benannt ist, für diese Kunst gewählt, weil es nicht so kostbar als Silber, nicht so weich als Zinn und nicht so spröde und schiefericht als Meßing ist.

So beschrieb es bereits Johann Georg Sulzer in seiner Allgemeinen Theorie der Schönen Künste im Jahre 1771.

Die Wiege der Kunst, die dieser Redensart zugrunde liegt, war in den Werkstätten der Gold- und Waffenschmiede entstanden. Aber dieser banale, aber unanständige Vorgang hielt sich - wahrscheinlich ob seiner Einfachheit - bis in den heutigen Sprachgebrauch und bezeichnet die Herstellung einer billigen Kopie oder eines Plagiates, inzwischen auch das plumpe Abschreiben und Fälschen!

Mein lieber Freund und Plagiator...!!! Natürlich sagt man das nicht so - aber so ähnlich - an unserer heute gesuchten Redensart entlang gedacht...
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