KopfNuss
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7.1.2005
O-Ton-Rätsel
Wir suchen eine Persönlichkeit des Sports

Mit 37 Jahren ist er der jüngste Trainer der Fußballbundesliga. Nach zwei knapp gescheiterten Anläufen führte der über 1 m 90 große Nickelbrillenträger den Zweitligisten 1. FSV Mainz 05 im Sommer 2004 in die Bundesliga. Nach dem Aufstieg wurde der fußballbesessene, diplomierte Sportpädagoge in Mainz zur "Kultfigur". Die Rede ist von Jürgen Klopp.

"Fragen Sie mich in 25 Jahren noch mal, ob ich Bundestrainer werden möchte; dann würde ich vielleicht ja sagen." In Holzfällerhemd und ausgewaschenen Jeans steht Jürgen Klopp auf dem Parkplatz vor dem Fußballstadion am Mainzer Bruchweg. "Jetzt ist mein Platz erst Mal hier", erzählt der 37-Jährige, der mit den Mainzern im Sommer 2004 im dritten Anlauf endlich den Aufstieg in die Bundesliga schaffte.

Zuvor waren die Rhein-Hessen zwei Mal hauchdünn gescheitert. In der Spielzeit 2001/02 begeisterten die Zweitliga-Kicker von Mainz 05 die ganze Saison mit mutigem Offensivfußball und hatten den Aufstieg vor dem letzten Spieltag ganz dicht vor Augen. Doch nach der 1:3-Niederlage beim 1. FC Union Berlin fehlte den 05ern, die vom zweiten auf den vierten Platz zurückfielen, am Ende ein Punkt zum Einzug in die belle étage des deutschen Fußballs.

Bei vielen Fans und im Umfeld des Klubs saß die Enttäuschung tief. Doch Jürgen Klopp ließ sich nicht beirren. Auch in der nächsten Spielzeit führte der ehemalige Stürmer, der in 325 Zweitligapartien 52 Treffer für die Mainzer erzielt hatte, sein Team wieder fast bis zum Aufstieg. Diesmal wurden die Mainzer allerdings ausgerechnet noch vom punktgleichen Lokalrivalen Eintracht Frankfurt abgefangen. Zwar gewann Mainz am letzten Spieltag auswärts 4:1 bei Absteiger Eintracht Braunschweig. Doch nach ihrem 6:3-Erfolg über den SSV Reutlingen hatten die Frankfurter am Schluss ein Tor mehr auf dem Konto.

Klopp, der auch nach diesem erneuten Rückschlag die Fassung behielt und den Frankfurtern im Stile eines Gentleman zum Aufstieg gratulierte, wurde dafür vom Verband der Deutschen Sportjournalisten mit dem Fair-Play-Preis ausgezeichnet. Auch in der nächsten Saison stand den Mainzern ein engagierter Jürgen Klopp als Trainer zur Seite. Diesmal hatten die Kicker aus der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt am letzten Spieltag allerdings selbst die Rolle der Verfolger übernommen.

Durch einen glatten 3:0-Sieg über Eintracht Trier konnten die Mainzer endlich das Trauma der letzten Jahre, auf den letzten Metern noch abgefangen zu werden, abschütteln und schafften erstmals den Bundesligaaufstieg.

"Am Ende der Feier wird mich mein eigener Sohn nicht mehr erkennen", fürchtete Coach Jürgen Klopp die Folgen der ausgelassenen Siegesfeier. Sein Team hatte nach Treffern der scheidenden Michael Thurk (23. und 67./ zu Energie Cottbus) und Emanuel Friedrich (66./ Werder Bremen/inzwischen wieder nach Mainz zurückgekehrt) aus der Verfolgerposition Aachen noch von Platz drei verdrängt und damit den Aufstieg "klar" gemacht.

Jürgen Klopp, der sich selbst als "fußballbesessen" bezeichnet, begann seine Karriere als Sechsjähriger beim SV Glatten. Das Schwarzwald-Dorf erwies sich als optimaler Wohnort für die sportbegeisterte Familie Klopp. "Gegenüber von unserem Haus brannte Licht, das war die Turnhalle. Ich wollte wissen, was da los ist und da landete ich beim Fußballspielen", sagte Klopp in einem Interview mit dem Südwest Rundfunk. In dem kleinen Ort gab es einen Sportplatz und einen Tennisverein mit eigener Anlage, im Winter war ein Skilift in Betrieb. "Es war die totale Idylle damals. Wir waren nur fünf oder sechs Jungs in dem kleinen Dorf und wir waren gleichzeitig die Fußball-, Tennis- und Skimannschaft. Es war toll, ich hatte eine sehr glückliche Kindheit."

Auf den Geschmack war der gebürtige Stuttgarter durch seinen Vater gekommen. Norbert Klopp, selbst aktiver Fußballer beim Oberligisten VfR Kirn, durfte sogar in Kaiserslautern ein Probetraining mit den Walter-Brüdern absolvieren. Jürgen Klopp: "Das war toll, nur mein Großvater hatte damals nicht so einen Weitblick bewiesen und zu meinem Vater gesagt, er solle das mit dem Fußball lieber lassen und was Anständiges lernen."
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