KopfNuss
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Montag bis Freitag • 10:10
10.1.2005
Hörer-Frage
Der kürzeste Weg der Sonne

Warum geht die Sonne in den Tropen so plötzlich unter?

In Äquatornähe gibt es keine ausgeprägte Dämmerung, weil die Sonne dort den kürzesten Weg zurücklegen muss, um hinter dem Horizont zu verschwinden. In nördlichen und südlichen Breiten hat sie einen viel längeren Weg.

Am Äquator geht die Sonne gerade hinter dem Horizont im Osten auf, steigt senkrecht in den Himmel zum Zenit und durchteilt mit ihrer Bahn das Gewölbe in fast zwei gleich große Hälften, bevor sie im Westen wieder wie ein Stein senkrecht hinter den Horizont fällt.

Bei uns hat die Sonne je nach Jahreszeit eine viel flachere Bahn. Selbst im Sommer verläuft sie niemals so steil wie am Äquator. Wenn sie bei uns mittags ihren höchsten Punkt erreicht hat, steht sie nicht am höchsten Punkt des Himmels. Und beim Versinken taucht sie nicht gerade senkrecht hinter den Horizont herab, sondern folgt wie beim Aufgehen einer leicht schrägen Bahn.
Diese schräge Bahn hat zur Folge, dass die Sonne längere Zeit durch die Schichten der Atmosphäre unterwegs ist, die die Dämmerung entstehen lassen (also die Bereiche über dem Horizont).

Die Dämmerung entsteht, weil das Sonnenlicht immer weiter gestreut wird, je weiter der Weg ist, den es durch die Atmosphäre zurücklegen muss. Dadurch kommt immer weniger Licht beim Betrachter an. Wenn die Sonne von knapp über dem Horizont strahlt, ist der Weg des Lichtes am Weitesten, und wenn die Sonne versunken ist, erhellt nur noch indirektes Streulicht für eine kurze Zeit den Himmel.

Die Sonnenkugel durchquert bei uns diese streufähigen Atmosphärenschichten auf einem viel längeren Weg, als am Äquator. Für diesen längeren Weg braucht sie auch mehr Zeit. Deshalb schwindet bei uns das Tageslicht langsamer, als in den Tropen, wo die Sonne auf einer steilen, senkrechten Bahn hinter dem Horizont verschwindet.

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