KopfNuss
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18.2.2005
O-Ton-Rätsel
Von Uwe Golz

Sie war die ungekrönte Königin des Jazz: Ella Fitzgerald. Ihre Stimme, einzigartig und wandelbar, gurrend und atemlos, einschmeichelnd und fordernd. Wer Ella Fitzgerald jemals erlebt hat, konnte sie nicht vergessen. Ihre Bühnenpräsenz war überwältigend, ihre Aura hypnotisierend - und doch, trotz aller Erfolge, aller Ehrungen, die große Dame des Jazzgesangs blieb bodenständig, verlor sich nie in den rosaroten Wolken des Erfolgs.
Dafür sorgte schon - letztendlich - ihr Schicksal. Hart ging es mit ihr am Ende zu Gericht.

Geboren am 25. April 1917, wurde sie im Alter von 14 Jahren Vollwaise, betrat zwei Jahre später bei einem Nachwuchswettbewerb im legendären Apollo-Theatre im New Yorker Harlem zum ersten Mal die Bühne, die fortan ihr Leben bestimmen sollte. Der Bandleader Chick Webb nahm Ella unter seine Fittiche. Mit Webb als Mentor und als Sängerin in seiner Band wurde sie mit dem Song A-Tisket, A-Tasket. Als Webb 1939 starb, war dies nicht das Ende ihrer Karriere, es schien der Anfang zum Weltruhm zu sein, mit seiner Band tourte und firmierte sie nun zwei weitere Jahre unter Ella Fitzgerald and Her Famous Orchestra, dann begann die Solo-Karriere.

Ira Gershwin - Webb hatte Ella noch mit ihm bekannt gemacht -, und sein Bruder George, wurden ihre Hitlieferanten. Und mit Ellas Interpretationen der Gershwin-Melodien wurde das American Songbook um einige Facetten reicher und Ella zur größten Swing-Sängerin aller Zeiten. Legendär ihre Einspielung, zusammen mit Louis Armstrong, der Gershwin Oper Porgy & Bess, legendär aber auch ihre drei Oktaven umfassende Stimme, ihr Scat(Silben)-Gesang und die Unbekümmertheit ihrer Auftritte.

Ellas Repertoire konnte größer kaum sein: Bossa Nova, Bebop, Gospel und Spiritual, Swing, Pop (denn auch Beatles-Songs wurden von ihr interpretiert, wie in der Kopfnuss zu hören), Samba - Ella war überall zu Hause, ob mit Duke Ellington und seiner Band, in der Trio-Formation mit ihrem zweiten Ehemann Ray Brown oder im Duett mit der Gitarre von Joe Pass, Ella war in jeder musikalischen Umgebung daheim. Und der Erfolg gab ihr recht: 18 Mal in Folge wurde sie von Down Beat (dem wichtigsten Jazzmagazin der USA) zur Sängerin des Jahres gewählt, der Playboy zeichnete sie 13 Mal mit diesem Lob aus und die Yale-Universität verlieh ihr die Ehrendoktorwürde.

Als man Diabetes bei ihr feststellte, ließ sie sich davon nicht unterkriegen. Sie blieb der Bühne und ihrer Musik treu, solange es ging, stand ein letztes Mal mit 75 Jahren - schon fast erblindet - auf der Bühne. Letztendlich aber musste sich Ella Fitzgerald der Krankheit geschlagen geben: Drei Jahre vor ihrem Tod mussten ihre beiden Beine amputiert werden. Als Ella am 15. Juni 1996 starb, starb die wichtigste Jazzsängerin des 20. Jahrhunderts.
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