KopfNuss
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21.2.2005
Hörer-Frage
Von Gerrit Stratmann

Warum werden Hemdstreifen im Fernsehen oft von andersfarbigen Streifen überlagert?

Dieses Phänomen nennt sich Crosscolor-Störung. Verantwortlich dafür sind weder die Fernsehgeräte noch die Sender, sondern das Problem liegt im Übertragungsstandard der Fernsehausstrahlung, also in den Fernsehnormen PAL und NTSC.

Die farbigen Streifen lassen sich sehr gut in alten Schwarzweiß-Filmen beobachten, wo sie nun wirklich nichts verloren haben. Sie treten immer dann auf, wenn auf dem Bild sehr feine Schwarzweiß-Muster zu sehen sind, wie sie zum Beispiel ein Anzug mit Fischgrätmuster oder eben ein Hemd mit feinen Streifen aufweist. Auf einem alten Schwarzweiß-Fernseher sind sie nicht zu sehen. Auch auf einem Farbfernseher müssten sie nicht unbedingt zu sehen sein, wenn, ja wenn das Signal für unser Farbfernsehen nicht so aufgebaut wäre, wie es aufgebaut ist.

Zum Verständnis ein grober Blick auf die Entwicklung der Fernsehtechnik. Am Anfang wurden nur Schwarzweiß-Sendungen übertragen. Für deren Übertragung hat man ein Signal mit einer bestimmten, eng begrenzten Bandbreite benutzt, das von den Fernsehern verstanden und in ein Bild übersetzt werden konnte.

Als das Farbfernsehen aufkam, mussten die zusätzlichen Farbinformationen ebenfalls mit dem Signal übertragen werden. Dazu gab es zwei Möglichkeiten. Man konnte das Signal erweitern, indem die Farbinformationen quasi hinten dran gehängt wurden. Allerdings hätte das dazu geführt, dass die alten Schwarzweiß-Fernseher das Signal nicht mehr verstanden hätten, denn sie waren ja nur für ein bestimmtes, begrenztes Signal gebaut worden.

Oder aber man versuchte, die Farbe noch mit in die Bandbreite des alten Signals zu quetschen, und zwar in einen Bereich, der bei der Darstellung nur selten eine Rolle spielt: der Bereich, der für die Darstellung sehr feiner Muster verantwortlich ist. Der Vorteil dieser zweiten Methode lag natürlich darin, dass sowohl die alten Schwarzweiß-Geräte als auch die neuen Farbfernseher mit demselben Signal beliefert werden konnten, mit dem Unterschied, dass die Farbgeräte aus einem Teil des Signals die Farbe auslasen, während die Schwarzweiß-Geräte diesen Teil aber nur als feines Muster interpretieren konnten.

Bis heute basiert PAL auf einem Signal, bei dem Leuchtdichte und Farbe (oder: Luminanz und Chrominanz, wie der Fachmann sagt) zusammen im gleichen Frequenzband übertragen werden. Wegen dieses Aufbaus kann es immer wieder zu Crosscolor-Störungen kommen, wenn die Fernseher ein Signal irrtümlich als Farbe interpretieren, obwohl es eigentlich als Signal zur Darstellung feiner unfarbiger Muster gedacht ist, die gerade in Form eines Fischgrätenanzugs über den Bildschirm wandern. Das Ergebnis sind farbige Streifen.

Im neuen Standard für hoch auflösendes Fernsehen (HDTV) wird dieses Problem der Vergangenheit angehören. Bei HDTV werden die Signale für Leuchtdichte und Farbe getrennt übertragen, so dass sie sich nicht mehr in die Quere kommen können.
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-> Videoproduktionstechnik, Skript einer Vorlesung des Institutes für Medientechnik an der FH Köln (PDF 2,9 MB)