KopfNuss
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4.3.2005
O-Ton-Rätsel
Von Thomas Jaedicke

Fußballtrainer Winfried Schäfer, dessen üppige, blonde Haarpracht wahrscheinlich viel dazu beitrug, dass der Rheinländer Nationaltrainer von Kameruns "Löwen" wurde. Die Haare trug er eigentlich immer schon lang. Auch schon als er Ende der 60er Jahre an der Seite von Günter Netzer über den Rasen fegte. Als Spieler wurde er geachtet; als Trainer zuletzt nur noch belächelt. Die Profifußballer seiner letzten Trainerstation in Deutschland gaben ihm den Spitznamen "Barbie".

Zum Schluss konnte Winfried Schäfer nichts mehr in Deutschland halten. Als Trainer hatte er keinen Erfolg mehr. Statt sich und seine Mannschaften über gute Resultate auf dem Rasen zu profilieren, erschien er immer öfter vor Gericht. Am Grünen Tisch versuchte er verzweifelt, den ausbleibenden sportlichen Erfolg durch Abfindungen in Millionenhöhe zu kompensieren.

Nach seinem Misserfolg beim Bundesligisten VfB Stuttgart, wo er im Dezember 1998 zurück trat, sei als krassestes Beispiel die Posse um sein gescheitertes Engagement bei Tennis Borussia genannt. Als Zweitligist hatte der 1950 in der Eifel geborene Schäfer die Berliner Mannschaft von Interimstrainer Stanislav Levy übernommen. Dessen Vorgänger Hermann Gerland, ein kantiger Westfale, hatte die von dem dubiosen Finanzkonzern Göttinger Gruppe mit hohen zweistelligen Millionenzuwendungen aufgepäppelte Multikulti-Truppe bis nah an die Aufstiegsränge geführt. Als Gerland sich mit den Funktionären endgültig überwarf und Stanislav Levys kurze Amtszeit beendet wurde, stand Winnie Schäfer Gewehr bei Fuß.

Schäfer sollte die Mission der Göttinger Gruppe erfüllen, nach Hertha BSC einen zweiten Berliner Verein in der Bundesliga zu etablieren. Bereits zu Zweitligazeiten wurde in der Vorstandsetage mit der Champions League geliebäugelt. Doch die hochfliegenden Träume zerplatzen schnell.

Zum Ende der Spielzeit 1999/2000 hatte Schäfer das von ihm für viel Geld zusammengestellte Ensemble alternder Stars sportlich bis an den Rand der Drittklassigkeit geführt. Nach dem 34. Spieltag hatten die Berliner nur einen Zähler Vorsprung auf einen Abstiegsplatz. Als das abenteuerliche Finanzmodell der Göttinger Gruppe aufflog und den Borussen vom DFB in Frankfurt die Lizenz entzogen wurde, versuchte Schäfer vor Gericht vergebens, aus dem in die Regionalliga abgestürzten Klub eine millionenschwere Abfindung herauszuschlagen.

Vor Gericht verklagte er TeBe auf eine Gehaltszahlung von 4,125 Millionen DM. Nachdem der Verein ein Urteil des Berliner Arbeitsgerichts, das Schäfer 1,2 Millionen zusprach, nicht akzeptierte, erhielt Schäfer nach der Berufungsverhandlung nur noch 237.500 DM.

Ein Jahr lang hörte man nichts mehr von Winfried Schäfer, ehe er im Herbst 2001 in Kamerun als Nationaltrainer des WM-Teilnehmers unterschrieb. Mit den "Löwen" gewann Schäfer, dessen Trainerqualitäten inzwischen von vielen stark angezweifelt wurden, auf Anhieb die Afrika-Meisterschaft. In Afrika, wo der wasserstoffblonde Langhaarträger im Kreis der Schwarzafrikaner noch skurriler als hierzulande wirkte, schien Schäfer zunächst an seine frühen Erfolge als Trainer beim Karlsruher SC anknüpfen zu können.

Den KSC hatte Schäfer in seiner zwölfjährigen Amtszeit zwischen 1986 und 1998 als Trainer bis ins Halbfinale des Uefa-Cups geführt. Zusammen mit dem damaligen Vereinspräsidenten Roland Schmider bildete er ein kongeniales Duo, das "aus der grauen Maus eine weiße" machte. Aus Angst, dass eine Erfolgserie reißen könne, soll der abergläubische Schäfer nach Siegen nur sehr ungern die Kleidung gewechselt haben. Großen Wert legte er stets darauf zu betonen, dass er es war, der beim KSC Spieler wie Oliver Kahn, Mehmet Scholl oder Jens Nowotny entdeckt und geformt habe. Doch als die Erfolge ausblieben und die Badener in akute Abstiegsgefahr gerieten, wurde Schäfer im März 1998 entlassen.

In 408 Bundesligapartien brachte es der offensive Mittelfeldspieler, der auch die Rolle des Spielmachers ausfüllen konnte, auf 46 Treffer. Zwischen 1968 und 1970 spielte er für Borussia Mönchengladbach. Dort gelang es ihm aber nicht, aus dem übermächtigen Schatten Günter Netzers herauszutreten. Anschließend spielte Winfried Schäfer fünf Jahre lang auf dem Bieberer Berg für Kickers Offenbach, bevor er für zwei Jahre als Spieler zum Karlsruher SC wechselte. 1977 kehrte er zu Borussia Mönchengladbach zurück, wo er acht Jahre später seine Spielerkarriere beendete.
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