KulturNachrichten
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19.10.2004

Der deutsche Kulturrat hat die Anhebung der Rundfunkgebühren um 88 Cent als zu niedrig kritisiert.
Es sei ein Skandal, dass die Ministerpräsidenten sich mit ihrem Beschluss über das im Rundfunk-Staatsvertrag festgelegte Verfahren hinweggesetzt hätten, heißt es in einer Pressemitteilung des Gremiums. Darin werden ARD und ZDF aufgefordert, ihre kulturellen Programmteile ungeachtet der nur moderaten Erhöhung nicht einzuschränken. Die neue Musik, das Hörspiel und das Feature seien ohne die Öffentlich-Rechtlichen kaum denkbar. WDR-Intendant Pleitgen betonte, alle Leistungen müssten auf den Prüfstand gestellt werden. Die ARD bleibe aber auch in Zukunft der größte Kulturvermittler in Deutschland.
Die Ministerpräsidenten hatten Anfang des Monats eine Anhebung der Gebühren um 88 Cent beschlossen. Sie setzten sich damit erstmals über die Empfehlung der unabhängigen Kommission zur Erfassung des Finanzbedarfs hinweg, die eine Erhöhung von 1,09 Euro empfohlen hatte.

Der Kunstsammler und Galerist Paul Maenz zieht aus Verärgerung über das Neue Museum in Weimar seine Dauerleihgaben ab.
Nach Angaben der "Thüringischen Landeszeitung" kündigte Maenz schriftlich die Leihverträge für zahlreiche zeitgenössische Werke fristgerecht zum Ende des Monats. In dem Brief wirft der Galerist der Museumsleitung Konzeptlosigkeit vor. Die Präsenz fordernder Gegenwartskunst werde planvoll ausgehungert.
Maenz hatte vor elf Jahren 780 Werke aus seiner internationalen Sammlung des 20. Jahrhunderts nach Weimar gegeben. Mehrere geplante Ausstellungen der Werke kamen aber aus unterschiedlichen Gründen nie zu Stande.

Der Bund und das Land Thüringen unterstützen den Wiederaufbau der durch einen Brand zerstörten Anna Amalia-Bibliothek mit insgesamt 14,25 Millionen Euro.
Der thüringische Ministerpräsident Althaus sagte in Erfurt, davon seien 5 Millionen für die Restaurierung beziehungsweise Wiederbeschaffung der verbrannten Bücher vorgesehen. Die restlichen 1,75 Millionen würden für den Wiederaufbau des Gebäudes verwendet. Bei dem Schwelbrand Anfang September waren rund 112.000 Bände und Handschriften zerstört oder stark beschädigt worden. Die Stiftung Weimarer Klassik schätzt die Gesamtkosten für den Wiederaufbau der Bibliothek auf 60 bis 70 Millionen Mark.

Staatliche Experten haben die Bildung einer schnellen Eingreiftruppe zur Rettung von Kulturgütern vorgeschlagen. Die Task-Force könne von Bund und Ländern gemeinsam bei Notfällen eingesetzt werden, sagte eine Sprecherin des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenabwehr auf einer Tagung in Weimar. Die Kultureinrichtungen müssten bei Bedarf etwa mit Notfallboxen oder Gefriertrocknungsanlagen für durchnässte Bücher versorgt werden.
Auf der Tagung beraten Fachleute noch bis morgen über eine bessere Prävention und Zusammenarbeit beim Schutz von Kunstwerken.

Das Freiburger Theater schließt wegen Finanznot einen seiner vier Spielorte.
Oberbürgermeister Salomon erklärte, durch die Stilllegung des so genannten Theatercafés könnten jährlich bis zu 300.000 Euro gespart werden. Die Bühne wurde hauptsächlich für Kleinkunstaufführungen genutzt und soll im Sommer des kommenden Jahres geschlossen werden.

In der niederländischen Stadt Tilburg sind Berichte eines von den Nazis ermordeten jüdischen Mädchens aufgetaucht, die an das "Tagebuch der Anne Frank" erinnern. Nach Angaben des dortigen Regional-Archivs schildert die 18-jährige darin ihre Erlebnisse und Gedanken während ihres Aufenthaltes im niederländischen Lager Vught. Sie war mit ihrer Familie später in das polnische KZ Sobibor transportiert und dort ermordet worden. Die 21 Seiten eines Schulheftes waren dem Archiv Anfang des Jahres von den Nachfahren eines Mannes übergeben worden, der Adressat der Aufzeichnungen war.
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