KulturPolitik
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7.9.2004
Eröffnung des neuen Grünen Gewölbes in Dresden
Interview mit dem Generaldirektor der staatlichen Kunstsammlung Dresden, Martin Roth
Moderation: Kirsten Lemke

Eine Besucherin betrachtet am  6. September 2004 im Neuen Grünen Gewölbe im Residenzschloss in Dresden die bronzene Reiterstatue August des Starken, gegossen von Jean-Joseph Vinache 1730 (Bild: AP)
Eine Besucherin betrachtet am 6. September 2004 im Neuen Grünen Gewölbe im Residenzschloss in Dresden die bronzene Reiterstatue August des Starken, gegossen von Jean-Joseph Vinache 1730 (Bild: AP)
Lemke: Das grüne Gewölbe kehrt ins Dresdner Residenzschloss zurück. Nicht das Gewölbe selber, sondern die danach benannte Sammlung mit Meisterwerken der Juwelier- und Goldschmiedekunst. Also die Schatzkammer der sächsischen Kurfürsten und Könige. Im zweiten Weltkrieg ausgelagert und bei Kriegsende von der roten Armee beschlagnahmt, war die Sammlung 1958 nach Dresden zurückgekehrt und seit den 70er Jahren in Teilen im Albertinum ausgestellt worden. Heute nun also ein Festakt in der Semperoper anlässlich der Wiedereröffnung der Sammlung in den ganz neu hergerichteten Räumen im Schloss. Zum Ende einer Odyssee begrüße ich am Telefon den Generaldirektor der staatlichen Kunstsammlung Dresden, Martin Roth. Guten Tag.

Roth: Guten Tag.

Lemke: In welchem Rahmen wird die Sammlung jetzt präsentiert?

Roth: Das grüne Gewölbe wird schon in das grüne Gewölbe zurückkehren und zwar in zwei Jahren, man muss aber unterscheiden zwischen dem Ort des grünen Gewölbes und der Sammlung und die Sammlung hatte schon immer, in all den Jahrhunderten reichlich und wunderschön gewachsen, einen viel größeren Bestand, als da gezeigt wurde. Wir nützen die Chance und zeigen nun viel mehr, als wir früher zeigen konnten in den neu eingerichteten, modernen Räumen im Schloss und dann haben wir die großartige Chance (und das ist auch eine Einladung an ein Publikum), zwei Jahre lang zu beobachten, wie das historische Gebäude wieder eingerichtet wird.

Lemke: Was bedeutet das, diese moderne Ausstellungskonzeption, die Sie jetzt zeigen?

Roth: Das historische Gewölbe, kulturelles Erbe, ist sozusagen die Gesamtpräsentation. Die zeitgenössische Präsentation hingegen bedeutet, dass man im positivsten Sinne die Objekte aus dem Kontext herausnimmt und sie einzeln präsentiert, selbstverständlich in extrem gesicherten High Tech-Vitrinen, es sind sehr wertvolle Objekte. Dort hat der Besucher die Möglichkeit, sich auf das einzelne Exponat in jeglicher Hinsicht einzulassen, er erfährt sehr viel über das, was er sieht, über die Hintergründe, Herstellung und vieles mehr. Wir zeigen die Objekte in einem ganz besonderen Licht im wahrsten Sinne des Wortes.

Lemke: Was wird denn eigentlich genau zu sehen sein?

Roth: Im Wesentlichen geht es um einen Schatz, der über viele Jahrhunderte hinweg gesammelt worden ist. Es ist sicherlich ein Staat gewesen, der sich nie besonders mit militärischen Leistungen, aber mit wunderschönen Kunstsammlungen gebrüstet hat und die zeigen wir nun, Gold- und Silberschmiedekunst, Juwelen, viele andere Bereiche, die man dazuzählt, Dinglingers berühmter Hofstaat, Objekte, die wirklich Kunstgeschichte und Geschichte geschrieben haben in den letzten Jahrhunderten.

Lemke: Bisher waren im Albertinum nur rund 1000 der insgesamt mehr als 3000 Werke ausgestellt. Was wird jetzt neu sein?

Roth: Vor allem die andere Präsentation und auch durchaus Objekte, die bisher nicht zu sehen waren. Die ganze Elfenbeinkunst, um nur ein Beispiel zu nennen. Besucher, die das Albertinum gut kannten, werden hier vollkommen Neues erfahren. Es war eine der erfolgreichsten Sonderausstellungen mit über 28 Millionen Besuchern seit den 70er Jahren, ohne dass groß Werbung gemacht worden ist und man kann davon ausgehen, dass das ein noch größerer Erfolg wird. Ich hatte in den letzten fünf Monaten die Situation, dass Menschen aggressiv zu uns kamen, die von weit angereist waren und ganz enttäuscht vor dem geschlossenen grünen Gewölbe standen. All diese Enthusiasten, all die Menschen, die mit großer Liebe und Interesse hierher kommen, haben etwas ganz besonderes zu sehen.

Lemke: Was wird mit dem grünen Gewölbe selbst?

Roth:!! Das ist eine Einladung an das Publikum, uns in diesen zwei Jahren zu begleiten, denn das, was da passieren wird, gab es mit Sicherheit noch nie. Ich benutze normalerweise nicht viele Superlative, aber ich kann zurzeit gar nicht anders. Das ist ein einzigartiger Vorgang, so wie die Eröffnung heute ein einzigartiger Moment ist. Dieser Vorgang heißt, es wird ein Gewölbe eingerichtet, das mit großer Leichtigkeit präsentiert wird. Mit Spiegelwänden, Paneelen, mit der Kunst, die darauf zu sehen ist. Was sich dahinter verbirgt ist aber ein unglaublicher Aufwand an Sicherheitsmaßnehmen, Klimatechnik und vielem mehr. Nur das wird der Besucher nachher nicht sehen.

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