KulturPolitik
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8.9.2004
Arabische Kulturregion besondere Herausforderung für die Buchmesse
Interview mit Volker Neumann, Direktor Frankfurter Buchmesse
Moderation: Kirsten Lemke

Volker Neumann, Direktor der Frankfurter Buchmesse (Bild: Frankfurter Buchmesse/Hirth)
Volker Neumann, Direktor der Frankfurter Buchmesse (Bild: Frankfurter Buchmesse/Hirth)
Lemke: Seit zwei Jahren ist Volker Neumann Direktor der Frankfurter Buchmesse, jetzt ist er am Telefon. Guten Tag.

Neumann: Guten Tag.

Lemke: In diesem Jahr gibt es kein Partnerland der Buchmesse, sondern gleich eine ganze Partnerregion, nämlich die arabische Liga. War das angesichts der Ereignisse eine politische Entscheidung?

Neumann: Nein, das kann man so nicht sagen. Es ist vor allem eine Entscheidung für die Kultur des arabischen Raums, von der wir hier noch viel zu wenig wissen und es war auch eine für die arabischen Autoren.

Lemke: Das Buch hat ja im arabischen Raum nicht so eine Bedeutung wie bei uns. War es denn schwer, Autoren zu finden?

Neumann: Ich denke, es hat auch dort eine doch sehr zentrale Bedeutung, beispielsweise in der Bildungspolitik. Natürlich ist es bei einer so heterogenen Struktur des arabischen Raums so, dass es in den unterschiedlichen Ländern auch sehr unterschiedlich positioniert ist. Aber unser Gast kommt mit über 200 Autoren nach Frankfurt. Das ist mehr, als je aus einem Gastland kamen.

Lemke: Dennoch habe ich gelesen, dass das Interesse der insgesamt 22 Länder anfangs eher verhalten war. Wie kommt das?

Neumann: Das ist natürlich insoweit relativ einsichtig, es gibt natürlich in Wahrheit keinen einheitlichen Kulturraum der arabischen Welt. Es gibt sehr unterschiedliche historische Entwicklungen und auch Ausprägungen heute. Jetzt sich zu verständigen auf ein gemeinsames Konzept war schon eine ganz besondere Herausforderung, die von den Organisatoren und von uns anfangs unterschätzt wurde.

Lemke: Gibt es anlässlich der Buchmesse auch Neuübersetzungen aus den arabischen Ländern?

Neumann: Oh ja, es wird eine Vielzahl geben, die hier auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt werden, die auch dann käuflich zu erwerben sind. Man muss ja deutlich sehen, dass die Autoren, die aus dem arabischen Raum hier in Deutschland bekannt sind, zumeist ja gar nicht mehr dort leben, sondern in Frankreich, England oder auch Deutschland und häufig auch bedauerlicherweise nicht in ihrer Muttersprache schreiben, so dass sie in den arabischen Ländern selbst wenig bekannt sind. Und so haben wir eine interessante Mischung aus Exilliteratur und Autoren aus den arabischen Ländern selbst und der prominenteste Vertreter, Herr Mahfouz, der Literatutnobelpreisträger, wird auch die literarische Eröffnungsrede halten.

Lemke: Welche weiteren Höhepunkte gibt es neben der Partnerregion?

Neumann: Ich denke, dass für das Publikum der in diesem Jahr ausgebaute Bereich Film und TV mit einem Kino wiederum mit 400 Sitzplätzen und auch einem ausgesprochenen hochinteressanten Filmprogramm eine zusätzliche Attraktion darstellt. Natürlich wird unser internationales Zentrum, das wir zusammen mit dem auswärtigen Amt betreiben, im Mittelpunkt des Interesses stehen, wenn man sich mit der arabischen Welt und dem Diskurs beschäftigt. Darüber hinaus sind natürlich die Klassiker des Publikumsinteresses unser Comiczentrum, unser Hörbuchzentrum und vieles andere mehr.

Lemke: Es gab einen großen Streit um einen möglichen Wegzug der Buchmesse aus Frankfurt und ein Grund dafür waren unter anderem die hohen Hotelpreise. Man hat sich dann entschieden, zu bleiben, aber jetzt hört man, dass die Hotelpreise schon wieder hochgehen. Geht jetzt auch die Abwanderungsdiskussion wieder los?

Neumann: Ich muss erst mal sagen, die Hotelpreise im Jahre 2004 sind, soweit mir bekannt, nicht erhöht worden gegenüber 2003, das war auch unsere Verabredung. Wie es in der Zukunft weitergehen wird, kann ich jetzt natürlich noch nicht sagen, ich bin allerdings sehr positiv gestimmt und zwar deshalb, weil hotelseitig immer "Angebot und Nachfrage würde den Preis regeln" das Motto war und wir nun doch verfolgen können, dass gerade in Frankfurt in den letzten Jahren, auch in diesem Jahr und im folgenden, eine größere Anzahl neuer Hotels dazukommen und ich denke, dass sich das positiv auf die Preisentwicklung auswirken wird.
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