KulturPolitik
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5.10.2004
"Ich finde die Buchmesse einfach wahnsinnig spannend"
Interview mit Volker Neumann, Direktor der Frankfurter Buchmesse
Moderation: Leonie March

Volker Neumann, Direktor der Frankfurter Buchmesse (Bild: Frankfurter Buchmesse/Hirth)
Volker Neumann, Direktor der Frankfurter Buchmesse (Bild: Frankfurter Buchmesse/Hirth)
Leonie March: Morgenland trifft Abendland - so fasst der Direktor der Frankfurter Buchmesse Volker Neumann das diesjährige Thema zusammen. Denn die arabische Welt ist offizieller Ehrengast der Messe, die heute Abend von Bundeskanzler Schröder eröffnet wird. Ein mutiger und wichtiger Entschluss in einer Zeit, in der die arabischen Staaten immer wieder in einem Atemzug mit dem Terrorismus genannt werden. Ein schwieriger Weg liegt hinter den Veranstaltern, denn die arabische Welt ist kein homogenes Ganzes, ideologische und politische Unterschiede trennen die Länder. Zu Beginn mangelte es außerdem an Interesse. Am Telefon begrüße ich nun den eben zitierten Volker Neumann. Sind Sie in diesem Jahr besonders froh, dass es endlich losgeht?

Neumann: Ich bin in jedem Jahr froh, ich finde die Buchmesse einfach wahnsinnig spannend und kann es gar nie erwarten.

Leonie March: Die meisten arabischen Schriftstellerverbände sind an den jeweiligen Staat gebunden. Wie lässt es sich vermeiden, dass die Buchmesse zu einem Forum für Staatsdichter wird?

Neumann: Wir hatten an sich die sehr gute Situation, dass unser Partner, der arabische Verlegerverband, der ja eine unabhängige Institution ist und sich sehr für Pressefreiheit und das Recht der Autoren einsetzt, hier gestalterisch mitverantwortlich war.

Leonie March: Und das schlägt sich dann auch in der Auswahl der Künstler und Autoren nieder?

Neumann: Es war von vornherein klar, dass es auch die kritischen Autoren umfassen muss, welche, die in einigen Staaten vielleicht unerwünscht sind und natürlich auch die, die bereits im Exil leben oder ihren Wohnsitz nach Frankreich, England oder Deutschland verlegt haben.

Leonie March: Fünf Länder haben die Beteiligung an der Buchmesse ja abgelehnt: Algerien, Marokko, der Irak, Kuwait und Libyen. Hatten Sie Verständnis für diese Entscheidung?

Neumann: Ich finde es sehr schade, nur muss man einfach schauen, dass dieses Projekt Gastland auf der Frankfurter Buchmesse vielleicht das ein oder andere Land doch ein Stück überfordert hat. Man muss ja sehen: einen solch gemeinsamen kulturellen Auftritt zu organisieren wäre selbst in der EU kein unumstrittenes Thema. Und es ist das erste Mal, dass die arabische Welt sich hier gemeinsam in dieser Form präsentiert. Übrigens sind nicht alle dieser Fünfe damit nicht auf der Buchmesse vertreten, sie sind nur mit einer eigenen Präsentation vertreten und nicht in dem Gemeinschaftsstand.

Leonie March: Nun ist der Terminus arabische Welt ja irreführend, denn bei einer solchen Vielfalt lässt sich kaum davon sprechen. Halten Sie die Auswahl an Autoren und Künstlern trotzdem für repräsentativ?

Neumann: Es sind jetzt über 200 Autoren, die aus den einzelnen Ländern kommen und auch zusammen mit den doch jetzt auch schon in diesem Jahr in verstärktem Maße in deutschen Verlagen erscheinenden arabischen Autoren zusammen ist das schon eine wirklich interessante und auch repräsentative Auswahl.

Leonie March: Welches Genre überwiegt denn? Ist es die politische Literatur oder die sehr populäre Lyrik?

Neumann: Die Lyrik ist, wie Sie richtig sagen, in der arabischen Welt sehr viel populärer als in Deutschland, gar keine Frage, und spielt eine Rolle, aber es geht natürlich auch um gesellschaftspolitische Themen. Es geht um die Rolle der Frau, der Religion und das sind durchaus dann auch Themen, die ja wieder in unseren Dialogforen auf der Buchmesse aufgegriffen werden.

Leonie March: Der Börsenverein des deutschen Buchhandels gab ja bekannt, dass Ihr Vertrag über 2005 hinaus nicht verlängert wird. Welche Rolle spielte denn dabei die Aufregung um einen möglichen Wegzug der Messe aus Frankfurt?

Neumann: Ich kann bedauerlicherweise nicht nachvollziehen, welche Gründe für die Nichtverlängerung meines Vertrages ausschlaggebend waren. Ich bedauere es nur außerordentlich, weil ich noch große Pläne für die Frankfurter Buchmesse in der Weiterentwicklung hatte, die ich nun wahrscheinlich nicht mehr realisieren kann.

Leonie March: Die Messegesellschaft hat dem Börsenverein ja angeboten, die Buchmesse ganz oder in Teilen zu übernehmen. Wäre das für Sie auch das Ende einer inhaltlich hochkarätigen Schau wie in diesem Jahr?

Neumann: Die Gefahr, dass das schwieriger wird, weil dann stärker kommerzielle Gesichtspunkte im Vordergrund stehen, kann man sich doch relativ leicht ausmalen.

Leonie March: Was werden Sie tun, wenn Ihr Vertrag ausläuft?

Neumann: Ich bin erstmal noch vertraglich gebunden bis Ende 2005, wobei ich davon ausgehe, dass man sich irgendwann dann mal darüber verständigen wird, wie es denn in 2005 wirklich aussieht, aber ich werde sicher noch nicht aus dem Berufsleben ausscheiden, ich denke, dass ich der Branche erhalten bleibe.

Leonie March: Und Ihre Pläne, die Sie haben, lassen sich ja vielleicht auch auf einem anderen Parkett realisieren.

Neumann: Haha, das lassen Sie mich doch bitte nicht kommentieren.
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